Hundt zur Kapitalismusdebatte "Zum Kotzen, was hier abläuft"


Dieter Hundt ist enttäuscht und erbost über Franz Münteferings Kapitalismuskritik. Und nicht nur das. "Ich finde es zum Kotzen, was derzeit in dieser Republik abläuft", gab der BDA-Chef jetzt zu Protokoll.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, hat in ungewöhnlich scharfer Form die Kritik an Teilen der Wirtschaft von SPD-Chef Franz Müntefering zurückgewiesen: "Ich bin zutiefst enttäuscht und ich bin erbost", sagte er am Donnerstagabend im ZDF. "Ich finde es zum Kotzen, was derzeit in dieser Republik abläuft." Angesichts von Münteferings Kapitalismuskritik sagte er: "Anstatt dass wir uns mit unseren bestehenden Problemen beschäftigen, reden wir von Heuschreckenplagen, von Raubtierkapitalismus, von asozialem Verhalten und dergleichen mehr."

Ausländische Investoren würden durch die Kritik an den angeblichen Auswüchsen des Kapitalismus verschreckt, sagte Hundt. "Das ist doch unpatriotisch, schlimmer geht es doch gar nicht." Unternehmer seien nicht unersättlich. Richtig sei vielmehr, dass die rot-grüne Bundesregierung viel zu wenig für den Mittelstand getan habe. Außerdem verspreche die Regierung seit Jahren, die Sozialversicherungsbeiträge unter 40 Prozent zu drücken.

Namentlich Josef Ackermann angegangen

Auslöser der Kapitalismusdebatte war die vor Wochen begonnene Kritik Münteferings am Verhalten deutscher Firmen und internationaler Finanzinvestoren, die keine Rücksicht auf Arbeitnehmer und Standort nähmen und damit für einen ungezügelten Kapitalismus stünden. Der SPD-Chef hatte unter anderem Finanzinvestoren mit Heuschreckenschwärmen verglichen, die alles leerfressen und danach weiterziehen würden. Namentlich war er Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann angegangen, der trotz Gewinne einen massiven Stellenabbau angekündigt hatte.

Benneter erklärte, Münteferings Kritik stehe nicht in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen, wo am 22. Mai ein neuer Landtag gewählt wird. Es gehe um grundsätzliche Fragen. "Wenn sie die Ergebnisse der Deutschen Bank sehen, gerade jetzt im ersten Quartal, 1,1 Milliarden Gewinn, dann haben wir beste Voraussetzungen, beste Rahmenbedingungen für die großen Konzerne geschaffen, so dass die jetzt auch die Möglichkeit haben, wenigsten mal einen Teil ihrer Verantwortung zu übernehmen und hier Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen."

Nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des ZDF Politbarometers gibt es eine grundsätzliche Zustimmung zu Münteferings Kapitalismuskritik. Demnach sind 74 Prozent der Befragten der Ansicht, dass viele Unternehmen trotz hoher Gewinne in Deutschland Arbeitsplätze abbauen. Allerdings kann von dieser Tendenz die SPD bislang nicht profitieren. Sollte kommenden Sonntag ein neuer Bundestag gewählt werden, würde sich die SPD im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage um einen Prozentpunkt auf 30 Prozent verschlechtern. Die Union würde dagegen um einen Prozentpunkt auf 44 Prozent zulegen.


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