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In eigener Sache: Auszeichnung für Hans Peter Schütz

Die Anja-Schüller-Stiftung hat den stern.de-Autor Hans Peter Schütz mit einem Preis für investigativen Journalismus ausgezeichnet. Grund sind seine Artikel über die Schrottimmobilien der Badenia-Bausparkasse. Und die Preisverleihung zeigte: Der Skandal ist noch nicht ausgestanden.

Als Klaus Schüller in der Berliner Vertretung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) das Wort ergriff, wurde es sehr still. Denn es war seine Tochter Anja, die sich im September 2004 das Leben nahm, weil sie in großer finanzieller Not steckte. Vermittler, die der Badenia-Bausparkasse zuarbeiteten, hatten die Krankenschwester dazu überredet, für die Alterssicherung eine so genannte "Schrottimmobilie" zu kaufen - also eine Immobilie, die die in Aussicht gestellten Mieterlöse nicht erwirtschaftete. Als sie die Kredite nicht mehr bedienen konnte, drohte die Badenia mit Gehaltspfändung.

Anja Schüller - eins von mehreren Suizidopfern und eine von tausenden Geschädigten im Badenia-Skandal. Ihr Vater, ein Gewerkschaftssekretär, gründete nach ihrem Tod die Anja-Schüller-Stiftung e.V., die sich um weitere Aufklärung bemüht. Erstmals zeichnete die Stiftung an diesem Dienstag auch drei Journalisten aus, die halfen, den Badenia-Skandal aufzudecken und publik zu machen: den Filmemacher Ulrich Neumann vom SWR, Thomas Öchsner von der "Süddeutschen Zeitung" und Hans Peter Schütz, der im stern und auf stern.de in Zusammenarbeit mit Rainer Nübel von der Agentur "Zeitenspiegel" über den Skandal geschrieben hatte. Edda Müller, ehemalige Chefin der Verbraucherzentralen, sagte in ihrer Laudatio auf Schütz: "Er machte klar: Der Schrottimmobilien-Skandal ist mehr als nur ein Wirtschaftskrimi." Schütz habe den Skandal in die Politik hineingetragen - unter anderem, indem er die damalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast, Grüne, damit konfrontiert habe und sie für den Kampf gegen die Betrüger gewann. Der Preis ist mit jeweils 1000 Euro dotiert.

Schrottimmobilie 2.0

Edda Müller beklagte bei der Verleihung indes auch: "Leider ist der Sumpf, in dem solche Geschäftsmodelle funktionieren konnten, bis heute nicht trocken gelegt. Wir Verbraucherschützer warten bis heute auf eine verbraucherorientierte Finanzaufsicht." Dieser Ansicht schloss sich auch der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum, FDP, an. Er sagte, die Banken orientierten sich an "verkaufen statt beraten", sie kümmerten sich eher um ihre eigenen Gewinninteressen als um die Mehrung des Wohlstands ihrer Kunden. Baum hat im September gemeinsam mit den Koautoren Julius Reiter und Olaf Methner das Buch "Abkassiert. Die skandalösen Methoden der Finanzbranche" im Rowohlt-Verlag veröffentlicht, das im Detail darüber berichtet.

Ein Kapitel des Buches ist dem modernen Variante des Badenia-Skandals gewidmet: Dem Verkauf von Schrottimmobilien übers Internet. Zielgruppe sind junge Menschen zwischen 20 und 25 Jahren, die gerade in den Beruf eingestiegen sind und ein kleines, aber festes Einkommen erzielen. Sie werden von Verkaufsprofis bei Partys oder in der Disco angesprochen. Der Köder besteht in dem Versprechen, die Kredite für den Kauf der Immobilie ließen sich aus den steigenden Mieteinnahmen finanzieren. Steuerersparnisse kämen hinzu. Der Abschluss des Kredits erfolgt schließlich mit einer Direktbank über das Internet - der Vermittler taucht in diesen Unterlagen nicht mehr auf. Der Deal endet dann häufig, wie einst bei der Badenia, im Fiasko: Die Mieteinnahmen decken nicht die Kreditraten, dem Opfer droht der finanzielle Ruin. Ist es so weit, sind die Vermittler allerdings schon über alle Berge.

Badenia wieder gut im Geschäft

Das alles passiert zu einem Zeitpunkt, da der alte Skandal noch längst nicht ausgestanden ist. Baum, dessen Kanzlei etwa 250 Badenia-Opfer vertritt, forderte in Berlin das Unternehmen auf, endlich einen Fonds einzurichten, um die Geschädigten schnell und unbürokratisch zu entschädigen.

Nach Angaben der Kanzlei konnte die Badenia ihren Jahresüberschuss selbst im Krisenjahr 2009 mehr als verdreifachen.

stern.de/lk