Islam-Konferenz Predigt auf Deutsch


In Moscheen sollte auf Deutsch gepredigt werden, fordert Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse im Vorfeld der Islam-Konferenz. Die Türkische Gemeinde hält nichts von dem Vorschlag.

Vor Beginn der Islamkonferenz in Berlin hat sich Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) dafür ausgesprochen, dass in Moscheen in Deutschland auf Deutsch gepredigt wird. "Wenn in den Moscheen Deutsch gesprochen wird, würde Misstrauen abgebaut", sagte Thierse im Deutschlandradio Kultur. Die deutsche Sprache sei das wichtigste Mittel der Integration. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinden in Deutschland, Kenan Kolat, erteilte dieser Forderung im ZDF eine Absage. "Die Muslime sollten selber entscheiden, in welcher Sprache sie predigen."

Schäuble lädt zur Islam-Konferenz

Auf Einladung von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommen in der Hauptstadt erstmals 30 Vertreter des Staates und der in Deutschland lebenden Muslime zu einer Islamkonferenz zusammen. Das Treffen, das den Auftakt für einen zwei- bis dreijährigen Kommunikationsprozess bildet, soll zur besseren Integration der bundesweit mehr als drei Millionen Muslime beitragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sah der Konferenz mit Spannung entgegen. "Der Dialog mit dem Islam ist notwendig und wichtig. Es war eine richtige Entscheidung, dass wir das Thema Integration von der speziellen Frage des Dialogs mit dem Islam getrennt haben», sagte sie der "Neuen Presse". Merkel hatte vor der Sommerpause einen Integrations-Gipfel veranstaltet.

"Selbstzensur aus Angst ist nicht erträglich"

Die Kanzlerin kritisierte zugleich die Absetzung der Mozart-Oper "Idomeneo" in Berlin, die am Dienstag hohe Wellen geschlagen hatte. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht aus Angst vor gewaltbereiten Radikalen immer mehr zurückweichen. Selbstzensur aus Angst ist nicht erträglich", sagte Merkel. Die Deutsche Oper in Berlin hatte die Inszenierung, in der König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Buddha, Poseidon, aber auch von Mohammed auf der Bühne präsentiert, aus Furcht vor islamistischen Anfeindungen abgesetzt.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) nannte die Absetzung der Oper einen "traurigen Beleg dafür, dass islamistisch-extremistische Agitation gegen die Meinungsfreiheit in unserer Gesellschaft offenbar bereits Wirkung zeigt". In der "Frankfurter Rundschau" sagte er, die Achtung religiöser Gefühle von Minderheiten dürfe "nicht zu einer übertriebenen Selbstbeschränkung der Meinungsäußerung und Kunstfreiheit führen".

Absage an religiös motivierte Gewalt

Beckstein (CSU) forderte die Muslime in Deutschland auf, die Ermittlungen der Polizei gegen islamistische Aktivitäten stärker zu unterstützen. Er verspreche sich von der Islam-Konferenz, dass diese Botschaft stärker in die Moscheen und muslimischen Vereine getragen werde, sagte er der "Financial Times Deutschland". "Wir müssen das Milieu austrocknen, in dem sich Fanatiker geborgen fühlen können." Beckstein forderte die Teilnehmer der Konferenz auf, einen entsprechenden Aufruf zu publizieren.

Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer, appellierte in der "Leipziger Volkszeitung" an die in Deutschland lebenden Muslime, die Integrationsanforderungen zu akzeptieren und zu erfüllen. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) forderte seine Partei auf, nicht mehr die These zu vertreten, Deutschland sei kein Einwanderungsland. "Diese These war schon immer falsch. Das war eine Lebenslüge", sagte Laschet der "tageszeitung".

Entscheidender Schritt im Integrationsprozess

Die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer (CDU), erwartet von den Muslimen in Deutschland eine deutliche Absage an religiös motivierte Gewalt. Böhmer sagte dem "Trierischen Volksfreund": "Wir brauchen solche klaren Bekenntnisse, um dauerhaft zu einem friedvollen Zusammenleben in Deutschland zu kommen."

Kritik islamischer Organisationen an der Vorbereitung der Islamkonferenz hat Böhmer zurückgewiesen. Hierfür habe sie kein Verständnis, auch wenn sie ähnliche Kritik schon vor dem Integrationsgipfel erlebt habe, sagte die Integrationsbeauftragte der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die einzelnen Organisationen müssten sich "erst einmal untereinander verständigen", momentan sei unklar, wer Repräsentant des Islams sei. Sie halte die Konferenz für einen ganz entscheidenden Schritt im Integrationsprozess, betonte Böhmer. Die Frage nach einer rechtlichen Anerkennung des Islams könne aber erst am Ende der Islamkonferenz beantwortet werden. Zunächst müssten die verschiedenen islamischen Gruppierungen gemeinsam einen Weg finden. In Deutschland stelle sich immer die Frage, "wer unser Ansprechpartner ist".

DPA/AP AP DPA

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