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Video zeigt Vorfall CDU-Nachwuchs grölt Wehrmachtslied am Jahrestag der Reichspogrome

In einer Berliner Kneipe haben Mitglieder der Jungen Union ein Wehrmachtslied zum Besten gegeben (Symbolbild)
In einer Berliner Kneipe haben Mitglieder der Jungen Union ein Wehrmachtslied zum Besten gegeben (Symbolbild)
© Frank May / Picture Alliance
Diese Partynacht ging gänzlich daneben: Ausgerechnet am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogrome, haben Mitglieder der Jungen Union in einer Berliner Kneipe ein Wehrmachtslied gesungen. 

"Berlin – Tag und Nacht: Politik, Party und Sightseeing", lautete das Motto eines Ausflugs für Mitglieder der Jungen Union aus Rheingau-Taunus und Limburg nach Berlin. Doch die Partynacht in der Hauptstadt endete für die Jugendorganisation der CDU in einem Skandal. Ausgerechnet am 9. November, dem 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, gaben die Nachwuchs-Politiker das einst bei der Wehrmacht so beliebte "Westerwaldlied" zum Besten. Das berichtet der "Tagesspiegel"

Eine Besucherin der Bar "Zur Quelle" in Berlin-Moabit hielt das Gegröle auf einem Video fest. Nachdem die 15-köpfige Truppe immer wieder C-D-U gebrüllt und gegen "Schwuchteln" gehetzt hatte, habe die zufällig anwesende jüdische Künstlerin Mia Linda Alvizuri Sommerfeld ihr Handy gezückt und das Geschehen gefilmt, berichtet die Zeitung weiter. 

Als die Junge-Union-Mitglieder bemerkten, dass sie gefilmt wurden, stimmten sie mehrfach das mit der Zeile "Heute wollen wir marschier'n" beginnende Westerwaldlied an. Das Lied wurde 1932 von Mitgliedern des späteren Reichsarbeitsdienstes gedichtet. Die Soldaten der Wehrmacht sangen es bei ihren Einmärschen in Frankreich, Holland und Luxemburg.

In Berlin distanziert man sich

Erst im vergangenen Jahr wurde ein Liederbuch der Bundeswehr, das auch das Westerwaldlied enthielt, aus dem Verkehr gezogen. Darin wies allerdings ein Vermerk auf die besondere Geschichte des Liedes hin: "Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht […] Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird."

Das haben die jungen Politiker offenbar nicht beherzigt. Um welche Personen es sich genau handelt, ist noch unklar. Einzig Nils Josef Hofmann, Vorsitzender der JU Limburg, hat dem "Tagesspiegel" gegenüber seine Teilnahme bestätigt. Er ist auch deutlich in dem Video zu erkennen.

Der Landesverband der JU reagierte distanzierend. Sprecher Leopold Born, der erst durch die Anfrage des "Tagesspiegels" von dem Vorfall erfahren haben will, erklärte, die Fahrt sei allein von den Verbänden Limburg und Rheingau-Taunus organisiert worden. Er versprach aber, dass der Fall "selbstverständlich aufgearbeitet" werde. Der Berliner JU-Vorsitzende Christoph Brzezinski verwies nach Hessen und erklärte: "Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun."

ivi

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