HOME

Wegen Fremdenfeindlichkeit: Kanada warnt vor Reisen nach Ostdeutschland

Im Internet rät Kanada seinen Bürgern zu Wachsamkeit wegen "extremistischer Jugendgangs" in einigen Regionen Ostdeutschlands. Obwohl kein Bundesland konkret angesprochen wird, empört sich besonders ein sächsischer Politiker.

Eine Pegida-Demo Mitte September in Dresden: Kanada rät seinen Bürgern, große Menschenansammlungen in Deutschland zu meiden

Eine Pegida-Demo Mitte September in Dresden: Kanada rät seinen Bürgern, große Menschenansammlungen in Deutschland zu meiden

Vor Reisen nach Deutschland warnt die kanadische Regierung ihre Bürger nicht nur vor Taschendieben, sondern seit neuestem auch vor rechten Übergriffen in Ostdeutschland. "Extremistische Jugendgangs sind vor allem in einigen kleineren Städten und Teilen der früheren DDR eine Bedrohung. Es ist bekannt, dass Gangmitglieder Menschen wegen ihrer Rasse oder weil sie 'fremd' aussehen, bedrohen oder angreifen", heißt es auf der Internetseite mit Reisewarnungen der kanadischen Regierung.

Das will nicht jeder in den angesprochenen Regionen auf sich sitzenlassen. "Das entspricht nicht der Realität und ist extrem rufschädigend", sagte der Generalsekretär der sächsischen CDU, Michael Kretschmer, dem Handelsblatt. Deutschland müsse dieser Beurteilung entschieden entgegentreten. Für zu pauschal und undifferenziert hält Konstantin von Notz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, die Reisewarnung laut Handelsblatt. "Aber eines stimmt: Rechtsextreme, Rassisten und Nazis agieren nicht nur verwerflich, sie schaden Deutschland", sagte von Notz der Zeitung. "Man sieht, dass es für unser Land sehr wichtig ist, sich gesamtgesellschaftlich und mit aller Kraft und Entschiedenheit dem Rassismus und der rechten Gewalt entgegenzustellen, ob sie nun in Ost- oder Westdeutschland auftritt."

Pegida mit neuem Zulauf

Hintergrund der kanadischen könnte auch sein, dass Pegida in Dresden seit Beginn der Flüchtlingskrise wieder Zulauf erhält. Am vergangenen Montag demonstrierten nach unterschiedlichen Schätzungen 9000 bis 10.000 selbst ernannte Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes. Im Rahmen der Demo kam es auch zu Angriffen auf Journalisten.

In der kanadischen Reisewarnung heißt es nämlich auch: "Demonstrationen kommen vor und haben das Potenzial, plötzlich gewalttätig zu werden. Vermeiden Sie daher alle Demonstrationen und größere Menschenansammlungen, befolgen Sie die Ratschläge der örtlichen Behörden und  verfolgen sie die lokalen Medien."

tkr

Kommentare (2)

  • Default Author
    Stern-Moderation

    Ist Ostdeutschland für Ausländer tatsächlich ein gefährliches Gebiet?

  • stern-Moderation
    Wir verabschieden uns für heute und schließen die Kommentare unter diesem Artikel. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an sterncommunity@stern.de /sdn
  • Myri
    Myri
    Solange Kanadier nicht in Flüchtlingsunterkünften übernachten, da droht ihnen als Christen Gewalt von muslimischen Flüchtlingen, oder sich Pegida-Demos anschließen, da droht ihnen Gewalt von militanten Gegendemonstranten, haben Kanadier in Ostdeutschland eher nichts zu befürchten.

    Den Mist, dass Ostdeutschland für Ausländer gefährlich ist, haben aber nicht die Kanadier erfunden, das entnehmen sie der deutschen Presse. Es kotzt mich einfach nur noch an und ich bin nicht einmal Ostdeutsche.