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Katja Kipping und Bernd Riexinger: Ungleiches Paar will zerstrittene Linke versöhnen

Das Lafontaine-Lager hat den Machtkampf bei der Linken gewonnen: An der Spitze der Partei stehen künftig die bisherige Parteivize Katja Kipping und der baden-württembergische Landeschef Bernd Riexinger. Die neuen Chefs im Kurzportät.

Auf sie wartet eine schwere Aufgabe: Die Linken haben am Samstagabend einen neue Doppelspitze gewählt. Der baden-württembergische Landeschef Bernd Riexinger und die sächsische Bundestagsabgeordnete Katja Kipping sollen die zerrissene Partei aus der Krise führen. Der Wahl war ein wochenlanger erbitterter Machtkampf vorausgegangen.

Katja Kipping

Kipping stammt aus Sachsen und damit aus dem mitgliederstärksten Landesverband der Linken. Die 34-jährige Dresdnerin wurde bereits im Alter von 21 Jahren Berufspolitikerin - und ist es bis heute durchgängig geblieben. 1999 zog sie als jüngste Abgeordnete in den sächsischen Landtag ein, 2005 wechselte sie in den Bundestag. Dort ist sie Vorsitzende des Ausschusses Arbeit und Soziales.

In der Linken steht sie für einen Konsens-Ansatz: «In unserer Partei sollte weniger das Lagerdenken als mehr das gemeinsame Handeln, das gemeinsame Verändern der Verhältnisse im Mittelpunkt stehen», sagt Kipping. Seit November 2011 ist die Slawistin und Literurwissenschaftlerin Mutter einer Tochter. Auch aus diesem Grund wollte die Talkshow-erfahrene Kipping eigentlich Vize-Chefin bleiben statt an die noch arbeitsintensivere Spitze zu rücken.

Bernd Riexinger

Riexinger hatte eigentlich ebenfalls eine andere Lebensplanung. Doch dann ging der 56-jährige baden-württembergische Landeschef kurzfristig ins Rennen. Gedrängt haben ihn vor allem das westdeutsche Gewerkschaftslager, nachdem Linke-Gründungsvater Oskar Lafontaine entschieden hatte, doch nicht für den Parteivorsitz anzutreten.

Inzwischen gilt Riexinger vielen als Integrationsfigur, die die zerstrittenen Parteiflügel versöhnen könnte. Riexinger hat Bankkaufmann gelernt und engagierte sich schon früh im Betriebsrat. 2001 übernahm er die Geschäftsführung des Verdi-Bezirks Stuttgart mit 50 Beschäftigten und rund 51.000 Mitgliedern.

Gerhard Schröders Agenda 2010 entfremdete Riexinger endgültig von der SPD. Er gehörte zu den Initiatoren der Protestbewegung gegen diesen von ihm empfundenen Sozialabbau: Zusammen mit anderen gründete er den Landesverband der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die 2007 mit der PDS zur Linken fusionierte.

jwi/DPA/AFP / DPA