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KOKAIN-VORWÜRFE: Racheakt eines Frustrierten?

Im Zusammenhang mit den Kokainvorwürfen gegen den Hamburger Innensenator Schill sind Zweifel an der Seriosität des vom ARD-Magazin »Panorama« präsentierten Zeugen aufgetaucht.

Im Zusammenhang mit den Kokainvorwürfen gegen den Hamburger Innensenator Ronald Schill (Schill-Partei) sind Zweifel an der Glaubwürdigkeit des vom ARD-Magazin »Panorama« präsentierten Zeugen aufgetaucht. Schill sagte dem »Hamburger Abendblatt«, er sei bei der Wahlparty, auf der er sich nach Aussage des Zeugen »weißes Pulver auf das Zahnfleisch aufgetragen« haben soll, »ständig von vier LKA-Beamten« umgeben gewesen. Das Landeskriminalamt bestätigte der Zeitung, mindestens einer der Personenschützer habe Schill ständig im Auge gehabt. Das sei auch an Deck des Schiffes, auf dem der Zeuge Schill beim Kokain-Konsum beobachtet haben will, der Fall gewesen.

Unterdessen wurden am Samstag Einzelheiten über den anonymen »Panorama«-Zeugen bekannt. Laut »Bild«-Zeitung soll es sich um ein 27 Jahre altes Mitglied der Schill-Partei handeln, das vor geraumer Zeit den Führungsstil von Schill kritisiert habe. Der Mann, der mehr Basisdemokratie in der Partei verlangt habe, sei deswegen von Schill als »Gutmensch abgekanzelt« worden, berichtet die »Hamburger Morgenpost«. Parteifreunde vermuteten deswegen hinter den Aussagen des Zeugen den »Racheakt eines Frustrierten«, hieß es weiter.

»Panorama«-Redaktionschef Kuno Haberbusch sagte der dpa heute, seine Redaktion habe die Plausibilität der Aussage des Zeugen überprüft und sei von dessen detailreicher Schilderung der Vorgänge überzeugt gewesen. Zur Aussage Schills, dieser sei bei der Wahlparty am 23. September 2001 ständig von Personenschützern umgeben gewesen, sagte Haberbusch: »Die Leute vom LKA wussten, dass es eine Party mit Parteifreunden und Journalisten war, da sind die auch nicht immer direkt bei Herrn Schill gewesen.«

Schill hatte am Freitag angekündigt er werde mit einem Haartest beweisen, dass er kein Kokain genommen habe. Außerdem werde er Anzeige wegen Verleumdung gegen den »Meineidbauer« erstatten, den »Panorama« präsentiert habe. Schill hatte am Freitag gesagt, er werde seine »Version« der Vorgänge bei der Wahlparty durch die Aussage von vier Personenschützern untermauern. »Und dann werde ich den Dreckschleudern dieser Stadt gehörig das Maul stopfen.«

Für den Haartest sucht Schill ein »seriöses Institut«. Voraussichtlich werde er das Gerichtsmedizinische Institut in München damit beauftragen, möglicherweise werde er die Analyse aber auch in Zürich machen lassen, sagte er dem »Abendblatt«.

Der Mann, der am Donnerstagabend im ARD-Magazin »Panorama« als Zeuge auftrat, hatte erklärt, er habe »insgesamt drei Mal« gesehen, wie Schill sich weißes Pulver auf das Zahnfleisch gerieben habe. Dies ist laut »Panorama« eine für Kokain-Konsumenten übliche Praxis. Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüft die Kokain-Vorwürfe. »Es handelt sich im Rahmen von Vorermittlungen um einen Prüfvorgang«, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Marion Zippel am Freitag.