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Kommissar Ehrlicher: Fall PDS erledigt

Nach tagelanger Diskussion hat sich "Tatort"-Kommissar Peter Sodann nun doch gegen eine Spitzenkandidatur für die PDS entschieden. Der Schauspieler beugte sich offenbar dem Druck des MDR.

Der Schauspieler wird nicht bei der geplanten Bundestagswahl antreten, wie der Vorsitzende der sächsischen PDS-Landtagsfraktion, Peter Porsch, am Mitwoch der Nachrichtenagentur AP bestätigte. MDR-Intendant Udo Reiter sagte laut "Bunte-T-Online", Sodann habe ihm mitgeteilt, dass er weiterhin Künstler bleiben wolle. Die PDS müsse auf den Schauspieler verzichten.

PDS-Landesvorsitzende Cornelia Ernst ist wütend

Sodann hatte für die SED-Nachfolgepartei in Sachsen antreten wollen. Der Mitteldeutsche Rundfunk hatte aber für den Fall, dass der Schauspieler tatsächlich in den Bundestag einzieht, angekündigt, ihn als Kommissar Bruno Ehrlicher vom Sender zu nehmen. Laut MDR war der nächste "Tatort" mit Sodann am 30. Oktober geplant. Der Film ist den Angaben zufolge bereits abgedreht und trägt den Arbeitstitel "Freischwimmer".

Die sächsische PDS-Landesvorsitzende Cornelia Ernst reagierte mit herber Kritik auf Sodanns Rückzug. "Ich bin wütend, aber nicht auf Peter Sodann, sondern auf diejenigen, die ihn unter Druck gesetzt haben und ihn mit einem Auftrittsverbot belegen wollten", sagte Ernst der AP. Sie sprach von einer Kampagne gegen die PDS: Die PDS werde wie eine Sekte behandelt, obwohl sie fast ein Drittel der sächsischen Wähler hinter sich habe. Die PDS werde schlimmer behandelt als Rechtsradikale.

Uneinigkeit über Sodann auch bei der WASG

Ernst sagte, sie habe am Mittwochnachmittag von Parteichef Lothar Bisky erfahren, dass Sodann nicht antrete. Für Sodann sei sein ursprünglicher Entschluss, auf einer offenen Liste der PDS zu kandidieren, kein leichter Schritt gewesen. Der Schauspieler habe Politik und Kunst miteinander verbinden wollen, doch das gehe anscheinend in Deutschland nicht.

Das ursprüngliche Vorhaben Sodanns, das erst am Montag offiziell verkündet worden war, hatte für erhebliche Diskussionen gesorgt. Mehrere prominente ostdeutsche Politiker, darunter die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper und der ehemalige Bürgerrechtler und sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz reagierten enttäuscht: Sodann lasse sich "als Schaubühne für abgehalfterte Politiker missbrauchen", hatte Pieper erklärt.

Auch innerhalb der Wahlalternative WASG, die zusammen mit der PDS bei der geplanten Wahl im September antreten will, gab es Uneinigkeit: So hatte der sächsische WASG-Landeschef Tilo Wirtz gesagt, Sodann sei nur ein Gesicht, das keine Inhalte repräsentiere. Andererseits wurde aber auch das hohe Ansehen des Künstlers in Ost- und Westdeutschland hervorgehoben.

AP