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Rückblick auf 70 Jahre Bundesrepublik: Alice Schwarzer im stern: "Der Körper der Frau wird wieder einmal zum Schlachtfeld"

Ein Rückblick auf 70 Jahre Bundesrepublik und ein bewegtes Leben: Im stern erinnert Alice Schwarzer an die 70er-Jahre. Und ist sich sicher, dass ihr Kampf um die veränderte Rolle nicht umsonst war. Geschichte verlaufe nicht gradlinig.

Alice Schwarzer spricht im stern über 70 Jahre Bundesrepublik

Pocht nach wie vor auf den "kleinen Unterschied": Alice Schwarzer

DPA

Die Publizistin Alice Schwarzer hat die 70er-Jahre als "das beste Jahrzehnt der Bundesrepublik" bezeichnet. "Da war wirklich was los. Aufbruch. Euphorie. Hoffnung", sagte Schwarzer in einem Interview mit dem stern. Imponiert habe ihr auch die Ohrfeige, die Beate Klarsfeld im November 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger wegen dessen Nazi-Vergangenheit verpasst hatte. "Es war ja eine Tat, die heute undenkbar wäre. Damals waren uns die Gesetze und Regeln völlig egal. Wenn man etwas für richtig fand, dann hat man nicht gefragt: Darf man das? Oder wer fördert das denn? Man hat es einfach gemacht."

Schwarzer gibt im stern einen persönlichen Rückblick auf 70 Jahre Bundesrepublik. Die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma" verrät, dass der PDS-Politiker Lothar Bisky ihr im Dezember 1990 sämtliche DDR-Zeitungen und Zeitschriften plus Pressehaus am Alex für eine D-Mark angeboten habe. "Ich habe ein paar Tage lang ernsthaft darüber nachgedacht – und dann Nein danke gesagt. Es war mir zu viel und zu heikel."

Schwarzer hatte für den stern in den 70er-Jahren eine Unterschriftenliste mit Frauen zusammengetragen, die zu dem legendären Titel "Wir haben abgetrieben!" führte. Damals habe sie sich gegen den Chefredakteur Henri Nannen durchgesetzt, der ursprünglich allein Romy Schneider auf dem Titel haben wollte. Schwarzer: "Es wurde gebrüllt bis nachts um vier. Sie mussten einlenken." Sie sei dafür dann von manchem "von Herzen gehasst worden".

Alice Schwarzer: Entspannt altern wie Brigitte Bardot

Schwarzer, 76, äußert im stern-Gespräch die Hoffnung, genauso gelassen altern zu können wie die frühere französische Schauspielerein Brigitte Bardot. Die Zahl 76 stehe auf dem Papier. "Aber innerlich ist man natürlich nicht alt, sondern mal 18, mal 55 – und manchmal bin ich sogar schon 60."

Gefragt, ob ihr jahrzehntelanger Kampf um eine veränderte Rolle der Frau umsonst gewesen sei angesichts von jungen Frauen, die sich zunehmend auf Facebook, Twitter oder Instagram selbst darstellten, sagte Schwarzer: "Das nicht. Geschichte geht nicht gradlinig voran." Sie stelle aber fest, "dass wieder mal der Körper der Frau zum Schlachtfeld wird. Auch die Frauen selbst beschäftigen sich ohne Ende mit ihrem Körper, ihrer Selbstdarstellung. Gleichzeitig wollen sie keine Objekte sein. Das ist widersprüchlich."

Das vollständige Gespräch mit dem Titel "Ich wäre für Elvis bis ans Ende der Welt gelaufen" lesen Sie im neuen stern.