KRITIK Möllemann soll sich erneut entschuldigen


Nach den erneuten Angriffen von FDP-Vize Möllemann gegen Michel Friedmann und parteiinterne Kritiker, wächst in der FDP der Unmut.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann lässt seine Partei nicht zur Ruhe kommen. Nachdem er den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, ausdrücklich von seiner Entschuldigung ausgenommen hatte, löste er am Freitag mit Attacken auf die Altliberalen Gerhart Baum und Hildegard Hamm-Brücher weiteren Unmut aus. Parteichef Guido Westerwelle und Generalsekretärin Cornelia Pieper riefen Möllemann erneut zur Ordnung.

»Kindisches Verhalten«

In der ARD-Tagesschau bezeichnete dieser seine parteiinternen Kritiker Baum und Hamm-Brücher am Donnerstagabend als »Querulanten«, die sich immer nur zu Wort meldeten, »wenn es schwer wird«. Wenn sie mit Austritt aus der FDP drohten, »dann sollen sie gehen. Ich kann nur sagen: Gute Reise«, erklärte Möllemann. Generalsekretärin Pieper äußerte in den ARD-Tagesthemen Unverständnis über die neuerlichen Ausfälle Möllemanns und erklärte: »Wenn er es so gesagt hat, denke ich, sollte er sich auch dafür entschuldigen«. Sie warf dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden zugleich ein »kindisches Verhalten« vor.

Westerwelle bedauert und missbilligt Möllemanns Äußerungen

Parteichef Westerwelle bedauerte und missbilligte am Freitag in Berlin, dass Möllemann seine Entschuldigung bei allen jüdischen Menschen nachträglich wieder eingeschränkt hatte. Auch widersprach der FDP-Vorsitzende Möllemanns Äußerungen zu den Altliberalen. Er freue sich auch in Zukunft auf das engagierte Gespräch mit verdienten Mitgliedern der FDP aller Altersgruppen, erklärte Westerwelle und rief dazu auf, die Debatte zu beenden.

»Möllemann kann offenbar nicht verlieren.«

Baum und Hamm-Brücher selbst wollen sich von den jüngsten Angriffen Möllemanns nicht beirren lassen und weiter gegen einen Richtungswechsel der Partei einsetzen. Exinnenminister Baum sagte der Nachrichtenagentur AP: »Möllemann kann offenbar nicht verlieren.« Er sehe sich von dessen jüngsten Äußerungen eher in der Absicht bestätigt, weiter die liberalen Grundpositionen in der FDP zu verteidigen.

Hamm-Brücher denkt nicht mehr an Austritt

Hamm-Brücher kommentierte die Angriffe in der Münchner »Abendzeitung« mit den Worten: »Das ist unverschämt, wie er halt ist.« Auf die Frage, ob sie, wie von Möllemann verlangt, künftig den Mund halten werde: »Ich würde ihm dringend raten, das zu tun, damit die FDP nicht neuerlich in Turbulenzen kommt, wie er sie so häufig ausgelöst hat.« Die 81-jährige Altliberale erklärte ihre Drohung mit Parteiaustritt für erledigt, machte aber deutlich, dass sich diese Frage erneut stellen würde, wenn die FDP auf die Idee käme, »sich zu haiderisieren«.

Lambsdorff: Attacken »unfreundlich« und »unnötig«

Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff nannte Möllemanns jüngste Attacken »unfreundlich« und »unnötig« und rief den nordrhein-westfälischen FDP-Chef im WDR zur Zurückhaltung auf. Auch FDP-Bundestagsfraktionschef Wolfgang Gerhardt nannte Möllemanns Nachkarten im Fernsehsender N24 unerträglich. Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Walter Döring sagte der Deutschen Welle: »Vorsicht, angeschossene Wölfe werden manchmal noch gefährlicher.«

Beistand von Kubicki

Unterstützung bekam Möllemann dagegen vom Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Der stellvertretende Parteivorsitzende habe nach wie vor starken Rückhalt in der FDP, sagte Kubicki der Hannoverschen »Neuen Presse«. Möllemann selbst nannte sein Verhältnis zu Westerwelle in N24 ungetrübt. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel begrüßte im Fernsehsender Phoenix, dass die FDP wieder auf dem richtigen Kurs sei, nachdem Westerwelle klargemacht habe, für was die Partei stehe.


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