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Bundesumweltministerium: Weil sie Insekten töten: Regierung fordert Bürger auf, keine Laubbläser mehr zu benutzen

Der Herbst schreitet voran, und die Bäume verlieren jetzt schnell ihr buntes Laub. Vielerorts halten Menschen die Straßen, Wege und Gärten mit Laubbläsern sauber. Das Umweltministerium fordert nun, dies zu unterlassen.

Sind Laubbläser eine Gefahr für die Umwelt und Insekten? Das Bundesumweltministerium sagt: ja.

Sind Laubbläser eine Gefahr für die Umwelt und Insekten? Das Bundesumweltministerium sagt: ja.

DPA

Das Bundesumweltministerium hat dazu aufgerufen, im privaten Bereich auf Laubbläser zu verzichten. Auch Kommunen sollten die umstrittenen Geräte nur in unverzichtbaren Fällen einsetzen, wie aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht. Zuerst hatte die "Augsburger Allgemeine" darüber berichtet.

Das Umweltministerium, das sich damit entsprechenden Empfehlungen des Umweltbundesamts und des Bundesamts für Naturschutz anschließt, verwies auf die zahlreichen Kleintiere wie Würmer, Insekten, Spinnen oder auch Kleinsäuger, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren können. Zwar würden Laubsauger und Laubbläser meist auf versiegelten Fläche wie Gehwegen eingesetzt. Auf unversiegelten Flächen könnten sie jedoch Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben.

Laubbläser haben "tödliche Auswirkungen auf Insekten"

"Bei der Verwendung eines Laubsaugers kann auch von tödlichen Auswirkungen auf die im Laub befindlichen Insekten ausgegangen werden", heißt es in der Antwort. Dies könne auch Folgen für Vögel haben, die in der Laubschicht nach Kleinsttieren als Nahrung suchen.

Das Ministerium empfiehlt daher, Laubsauger oder -bläser im privaten Bereich gar nicht und im öffentlichen Bereich nur in "unverzichtbaren" Fällen zu verwenden, nicht zuletzt wegen der Lärmemissionen.

Welche Gefahr besteht durch Laubbläser?   

"Millionenfach werden Kleinstlebewesen zusammen mit dem Laub aufgesaugt und zerstückelt", warnt etwa der Nabu. Für den Sog werden Luftgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern und Saugleistungen von etwa zehn Kubikmetern pro Minute erzeugt. Da haben vor allem Käfer, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln und Amphibien kaum eine Chance. Bei Geräten mit Häckselfunktion werden die Tiere und Insekten gleich mit zerstückelt.

Was wird noch an den Geräten kritisiert?

Laubsauger und -bläser sind Umweltexperten zufolge nicht nur gefährlich für Tiere, sondern auch laut und schmutzig. Sie können zwischen 90 und 120 Dezibel laut werden und machen damit so viel Krach wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer. Geräte mit Verbrennungsmotor erzeugen zudem Luftschadstoffe, die meist ungefiltert in die Umgebung geblasen werden. Zudem gibt es gesundheitliche Bedenken. Am Boden und im Laub lebende Mikroben, Pilze und Tierkot werden durch solche Gartengeräte fein in der Luft verteilt, was vor allem für die Benutzer eine Gefahr ist.

Warum werden Laubbläser nicht einfach verboten?

Laubbläser fallen, ähnlich wie etwa Rasenmäher oder Kettensägen, unter die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Ein Verbot ist dem Bundesumweltministerium zufolge aus europa- und wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich. Ihr Gebrauch unterliegt aber Auflagen und Regeln, wie zum Beispiel die Einhaltung von Ruhezeiten. Demnach ist es in Wohngebieten verboten, Rasenmäher an Sonn- und Feiertagen ganztägig sowie an Werktagen in der Zeit von 20.00 bis 07.00 Uhr zu nutzen. Insbesondere in Wohngebieten gilt darüber hinaus für Geräte wie Laubbläser und Laubsammler grundsätzlich auch ein Betriebsverbot in der Zeit von 07.00 bis 09.00 Uhr, von 13.00 bis 15.00 Uhr und von 17.00 bis 20.00 Uhr. Konkrete Bestimmungen regeln die Behörden.

fin / AFP