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Linkspartei: "Die Linke hat wieder eine Chance in Deutschland"

Die Linkspartei ist auf Anhieb in den Bundestag eingezogen. Besonders freut sich die neue parlamentarische Linke darüber, dass sie Schwarz-Gelb verhindert hat.

Schon nach der ersten Prognose um 18.01 Uhr ist der Jubel riesengroß: Die neue Linkspartei hat den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde lässig geschafft. Die rund 5000 Anhänger des Linksbündnisses aus umbenannter PDS und WASG im Zelt auf dem Berliner Schlossplatz liegen sich in den Armen. Fast ebenso begeistert beklatschen sie die Wahlniederlage der Union, die weit hinter ihren Erwartungen bleibt. Dass die Linkspartei ihr zweites Wahlziel, als drittstärkste Kraft in den Bundestag zurückzukehren, verfehlt, geht im allgemeinen Freudentaumel unter.

"Deutschland verändert sich"

Der Beifall steigert sich frenetisch, als das Spitzenduo Gregor Gysi und Oskar Lafontaine die Bühne um 18.40 Uhr betritt. "Deutschland verändert sich ab heute und zwar durch uns", ruft Gysi in die Menge. "Was sich verändert, ist, dass wir seit Anfang der 50er Jahre erstmals eine ernstzunehmende Linkskraft links von der SPD gewählt bekommen haben", betont der PDS-Star. Mit seinem Fazit: "Die bisherige Regierung ist abgewählt und eine schwarz-gelbe ist nicht gewählt", bringt er die Massen zum Toben.

Die Freude über diesen Coup zieht sich durch alle Reden. "Wir haben die schwarz-gelbe Koalition verhindert", bringt es Parteichef Lothar Bisky als erster auf den Punkt. Auch die rot-grüne Bundesregierung habe die gebührende Quittung für ihre Agenda 2010 bekommen. Das Wichtigste aber sei: "Wir sind drin."

Besonders Lafontaine strahlt über das ganze Gesicht. Immer wieder hatte der frühere SPD-Vorsitzende in den vergangenen Jahren die Reformpolitik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als "neoliberalen Irrweg des Sozialabbaus" angeprangert. Der Triumph, Schröder geschwächt und eine CDU-Kanzlerin Angela Merkel verhindert zu haben, ist dem von seiner früheren Partei geschmähten Saarländer anzusehen. "Die Linke hat wieder eine Chance in Deutschland", ruft Lafontaine.

Westausdehnung der PDS

Der frühere Bundesfinanzminister war es, der den Anstoß zum gemeinsamen Wahlantritt von westdeutscher Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und PDS gegeben hat. Die Chance, die unter Schröder "entsozialdemokratisierte SPD" durch eine starke linke Opposition wieder auf den seiner Meinung nach richtigen Weg zu bringen, erschien ihm zu verlockend. Gysi wiederum sah nur mit Hilfe Lafontaines und der WASG eine Möglichkeit, seinen alten Traum von der Westausdehnung der PDS zu realisieren.

2002 hatte die PDS - vor allem wegen mangelnder Verankerung im Westen - eine vernichtende Wahlniederlage erlitten. Die PDS war mit vier Prozent nicht nur klar an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, sondern hatte auch zwei ihrer vier Direktmandate eingebüßt.

Fusion der Parteien vorantreiben

Dass die Linkspartei bei der Regierungsbildung keine Rolle spielt, ficht ihre Spitzenvertreter nicht an. Bisky wie WASG-Vorstand Klaus Ernst geben als Marschrichtung vor, jetzt die Fusion beider Parteien voranzutreiben. Zudem werde die Linkspartei als starke Opposition jeder Regierung egal welcher Couleur klar machen, dass ihre Politik des Sozialabbaus nicht alternativlos sei, betont Lafontaine.

Die neue Bundestagsfraktion ist jedoch eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus alten PDS-Hasen und unerfahrenen WASG-Neulingen. Sie soll sich am 23. September konstituieren. Die Abgeordneten aus zwei Parteien müssen sich nun unter der bereits vorher verkündeten Führung des Spitzenduos Lafontaine/Gysi erstmal zusammenraufen.

Kristina Dunz/DPA / DPA