Medienberater Michael Spreng TV-Duell wird Schröder nicht helfen


Die SPD kommt in den Umfragen nicht vom Fleck. Die Hoffnungen der Sozialdemokraten ruhen nun auf dem TV-Duell am Sonntag. Doch Michael Spreng, Ex-Berater Edmund Stoibers, glaubt nicht an eine Trendwende.

Das TV-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) an diesem Sonntag kann nach Ansicht des Medienberaters Michael Spreng keine Trendwende zugunsten der SPD bringen. "Ich glaube, dass das TV-Duell an dem Trend, wie er derzeit herrscht, nichts mehr ändern wird", sagte Spreng, der im Wahlkampf 2002 den damaligen Unions-Kandidaten Edmund Stoiber beraten hatte, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA.

Die Streitgespräche im Wahlkampf vor drei Jahren hätten gezeigt, dass diese einen bereits vorherrschenden Meinungstrend "allenfalls verstärken oder abschwächen können. Es gibt aber keine alleinige Trendumkehr durch ein TV-Duell". Die relative Bedeutungslosigkeit erklärt Spreng damit, dass zwei Wochen vor der Wahl die übergroße Zahl der Wähler sich schon entschieden hätten. Und bei denen, "die noch unentschlossen sind, sind auch die, die gar nicht zur Wahl gehen werden".

Andere Situation als 2002

Zudem herrsche eine andere Situation als 2002, sagte Spreng. Damals sei das Streitgespräch viel spannender gewesen: "Der Trend zur SPD war bereits umgekippt, nachdem die Union lange in den Umfragen vorne gelegen hatte. Aber beide Parteien waren noch Kopf an Kopf. Das war viel eher eine echte Duell-Situation als heute."

Nach Auffassung von Spreng werden "die Menschen in erster Linie das Duell unter dem Blickwinkel anschauen, ob derjenige, den sie wählen werden, ihre Erwartung erfüllt. Der sich schon entschieden hat, CDU zu wählen, wird zwei Wochen vor der Wahl kaum noch Frau Merkel als schlecht empfinden. Und jemand, der Schröder symapathisch und viel besser empfindet als Frau Merkel, wird das auch nicht mehr anders wahrnehmen."

Das Streitgespräch wird nach Meinung des früheren Chefredakteurs allenfalls für die Frage bedeutsam sein, ob es für die Union nach dem 18. September ein Bündnis mit der FDP reicht oder ob es doch zu einer großen Koalition kommt. "Da kann ein halbes Prozent ausschlagend sein. Dieses Duell wird aber nicht ausschlagend sein, ob Frau Merkel Kanzlerin wird oder nicht. Diese Frage ist schon längst gefallen."

Spreng riet beiden Kontrahenten, in dem Streitgespräch authentisch zu bleiben. "Frau Merkel sollte sachlich, zielorientiert in das Gespräch reingehen, wie sie persönlich auch ist. Sie ist eher eine nüchterne Politikerin. Und es hat gar keinen Sinn, dass sie dort versucht, eine Rolle zu spielen. Außerdem erwarten die Leute von ihr, dass sie in der Sendung einen Plan für die Zukunft Deutschlands vorlegt und nicht versucht, persönliche Sympathiewerte durch warmherzige Worte zu ernten."

Der Kanzler sollte sich nach Ansicht von Spreng ebenfalls treu bleiben. "Nur er muss auf eines Acht geben: Er darf seine Rolle als Beherrscher des Fernsehens nicht überziehen. Er hat gelegentlich eine gönnerhafte Art. Wenn er die Frau Merkel gegenüber an den Tag legt, kann das kontraproduktiv sein."

DPA DPA

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