HOME

Merkels Rede vor dem US-Kongress: Persönlicher Dank der Kanzlerin an das amerikanisches Volk

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer historischen und teilweise sehr persönlichen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses dem amerikanischen Volk für die Hilfe bei der Wiedervereinigung gedankt. Niemals würden die Deutschen und sie persönlich dies den Amerikanern vergessen, sagte Merkel am Dienstag in Washington.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer historischen und teilweise sehr persönlichen Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses dem amerikanischen Volk für die Hilfe bei der Wiedervereinigung gedankt. Niemals würden die Deutschen und sie persönlich dies den Amerikanern vergessen, sagte Merkel am Dienstag in Washington. Sie beendete Ihre Rede in Englisch und versicherte den USA, dass Deutschland und Europa auch in Zukunft starke Partner sein würden. "Einen besseren Partner als Amerika gibt es für Europa nicht, und einen besseren Partner als Europa gibt es für Amerika nicht." Merkel ermunterte die USA vor dem voll besetzten Kongress zu Anstrengungen beim Klimaschutz. "Wir brauchen eine Einigung bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen", sagte sie. Die Welt schaue hier auf Europa, aber auch auf die USA. In ihrer Rede streifte die Kanzlerin auch die internationalen Konflikte im Nahen Osten, dem Iran sowie in Afghanistan.

Die in einen schwarzen Hosenanzug gekleidete Kanzlerin erinnerte in ihren mehrfach von Beifall unterbrochenen Ausführungen unter anderem an die Berliner Luftbrücke und an den Einsatz der Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan für Deutschland. Sie dankte auch US-Präsident George Bush sen., der Deutschland bereits im Mai 1989 Partnerschaft und Führung angeboten habe.

Die Kanzlerin wurde mit lautem Applaus im US-Kongress begrüßt. Sie ist die erste Kanzlerin, die die Ehre erhalten hat, bei einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus zu sprechen. Deutschlands erster Kanzler, Konrad Adenauer (CDU), hatte 1957 nacheinander vor den beiden Kammern und nicht in einer gemeinsamen Sitzung zu den Abgeordneten gesprochen. Merkel erinnert in bewegenden Worten an den Mauerfall vor 20 Jahren. Der 9. November sei aber auch der Jahrestag der Pogromnacht 1938 und dem Beginn der systematischen Tötung von Juden.

Sie erinnerte an ihre Jugend in der DDR hinter Mauern. Sie habe sich nie vorstellen können, in die USA zu reisen oder gar vor dem amerikanischen Kongress zu stehen. Sie habe sich damals für Jeans "einer bestimmten Marke" und für die Weite der amerikanischen Landschaft begeistert. An die Adresse des Iran gewandt warnte Merkel die Regierung in Teheran. Einen Bedrohung Israels durch Iran müsse verhindert werden. "Atombomben in den Händen des iranischen Präsidenten, der den Holocaust leugnet und Israel bedroht, darf es nicht geben." Die Sicherheit Israels sei nicht verhandelbar. "Wer Israel bedroht, bedroht auch uns."

Merkel sprach beim Klimawandel von einer weiteren Bewährungsprobe des 21. Jahrhunderts. Worin die Gefahr bestehe, sei schon jetzt zu sehen, am Anstieg der Meere, am Schmelzen der Gletscher. "Wir haben keine Zeit zu verlieren, wir brauchen eine Einigung bei der Klimakonferenz in Kopenhagen." Die Welt brauche die Bereitschaft aller Staaten, sich auf ein Ziel zu verständigen, sagte die Kanzlerin. Dabei dürften die Erkenntnisse der Wissenschaft nicht ignoriert werden. Zu Afghanistan erklärte sie, der Einsatz der Staatengemeinschaft sei hart. Erfolgreich werde die Gemeinschaft dabei aber sein, wenn sie jeden weiteren Schritt gemeinsam gehe. Deutschland stelle sich dieser Verantwortung.

DPA / DPA