Metallbranche "Die Uhr tickt"


Die Arbeitgeber haben im Tarifkonflikt ein Angebot vorgelegt, wohl wissend, dass die Gewerkschaften dieses nicht akzeptieren werden. Kommt es bis Ostern zu keiner Einigung, prophezeit die IG-Metall einen heißen Frühling.

Die Offerte der Arbeitgeber sieht eine Erhöhung der Löhne und Gehälter zwischen 1,2 und 1,4 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor. Das Angebot enthält als zweites Element Einmahlzahlungen, die auf betrieblicher Ebene auch abgesenkt werden könnten, wenn Betriebsrat und Arbeitgeber dem zustimmten, sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen, Michael Jäger, vor dem Auftakt der vierten Verhandlungsrunde.

Das Angebot sei mit Gesamtmetall abgestimmt und solle in gleicher Form in Baden-Württemberg vorgelegt werden. Jäger räumte ein, dass er keine Zustimmung der IG Metall erwarte. Die Gewerkschaft werde nicht mit heller Begeisterung auf die Offerte reagieren, prognostizierte er. Eine Lösung wird heute nicht erwartet. Die Gespräche sollen am kommenden Dienstag in Düsseldorf fortgesetzt werden.

Gewerkschaft ist gezwungen zu handeln

Die IG Metall fordert für die 3,4 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt. Der Zweite Vorsitzende der IG-Metall Berthold Huber machte deutlich, dass die größte deutsche Industriegewerkschaft ein "faires Angebot" erwarte. "Das heißt nicht irgendeine Zahl", sagte Huber. Dazu gehörten auch über den Produktivitätszuwachs hinaus ein Inflationsausgleich und die Fortführung der vermögenswirksamen Leistungen zur Altersvorsorge sowie ein Anspruch auf betriebliche Weiterbildung.

"Wenn das Angebot nicht annähernd unseren Vorstellungen entspricht, dann wird eine Dynamik freigesetzt", sagte Huber. "Irgendwann ist der Rubikon überschritten und die Gewerkschaft gezwungen zu handeln." IG-Metall-Chef Jürgen Peters machte bei einer Kundgebung in Esslingen deutlich, dass die Gewerkschaft auf eine Einigung noch im April dringt. "Die Uhr tickt. Wenn wir bis Ostern kein Land sehen, dann werden wir die Segel setzen." Spätestens Ende April fällt nach Hubers Worten die Entscheidung über Urabstimmung und Streik. Die Gewerkschaft strebe aber eine friedliche Einigung an. "Urabstimmung und Streik sind kein Vergnügen, das mutet den Leuten Opfer zu."

Erstmals Warnstreiks bei Opel

Die Verhandlungen werden von weiteren Warnstreiks begleitet sein. In den ersten sechs Tagen seit dem Ende der Friedenspflicht haben sich nach Angaben der IG Metall rund 422.000 Arbeitnehmer an den Protestaktionen beteiligt - allein am Mittwoch waren es 52.000. Erstmals ruft die IG Metall auch die Beschäftigten beim Autobauer Opel zum Warnstreik auf. Die Gewerkschaft erwartet rund 6000 Teilnehmer bei einer Kundgebung in Rüsselsheim. Eine Woche nach Beginn der Warnstreiks steuern die Proteste auch in Hessen damit auf einen ersten Höhepunkt zu.

Reuters/DPA DPA Reuters

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