Milchgipfel Seehofer schnürt Aktionspaket

Bundesagrarminister Horst Seehofer hat Milchbauern, Molkereien und Einzelhandel zu einem Gespräch an einen Tisch gebracht. Er präsentierte auch gleich einen Plan, wie die Bauern höhere Milchpreise erzielen könnten. Doch ob seine Ideen den gewünschten Erfolg bringen, ist ungewiss.

Horst Seehofer sieht sich gern als Krisenmanager. Umso mehr, wenn das Sommerloch das bundesweite Interesse an einer Milch-Spitzenrunde in Berlin erhöht und in zwei Monaten in Bayern ein neuer Landtag gewählt wird. Der Druck auf den Bundesagrarminister und CSU-Vize ist groß. Die Milchbauern wollen höhere Preise für ihre Milch haben. Rund zwei Monate nach dem Lieferstopp des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter trommelte Seehofer die Branche zusammen - den Deutschen Bauernverband, den Milchviehhalterverband und die Länder, die Biobauern, die Molkereien und den Einzelhandel. Er zeigte sich zuversichtlich, den Milchbauern helfen zu können. "Diese große Zielsetzung ist auch im Interesse der Verbraucher", sagte er.

Etwa 100 Milchbauern und Bauernfunktionäre ließen vor der Bayerischen Landesvertretung in Berlin, wo die Politiker und Branchenvertreter tagten, Trillerpfeifen und Kuhglocken sprechen. "Mein Herz schlägt für Milchbauern", stand auf Ansteckern. "Der Milchpreis lässt Bauer, Kuh und Milch richtig sauer werden", hieß es auf einem Plakat. Nach dem Anstieg der Milcherzeugerpreise, den die Molkereien 2007 wegen der weltweit gestiegenen Nachfrage aushandeln konnten, sank der Preis in diesem Frühjahr wieder. Viele Milchbauern sind enttäuscht und klagen über explodierende Kosten.

Bund will Milchmenge senken

Seehofer präsentierte ihnen ein Paket mit Möglichkeiten, um die Milchmenge zu senken. Allerdings enthalten die Maßnahmen zunächst Prüfaufträge, auch wenn die Ländervertreter bereits Zustimmung signalisiert haben. Die Forderung nach einem EU-Milchfonds hatte Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel in Brüssel bereits abgelehnt. Inwieweit die Pläne von Bund und Ländern zur Senkung der Milchmenge tatsächlich zu höheren Preisen führen, ist offen. Der Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Romuald Schaber, war jedenfalls "zuversichtlich, dass wir auf absehbare Zeit zu kostendeckenden Preisen kommen". Denn: "Wir stehen aktuell schlechter da als vor einem Jahr. Die Kosten sind enorm gestiegen." Kein Wort mehr jedoch von einem möglichen weiteren Lieferstopp.

Der Einzelhandel hatte sich nach dem Streik im Juni bereiterklärt, die Verbraucherpreise für Trinkmilch um bis zu 10 Cent zu erhöhen. Daraus wurden bei einigen Handelsketten letztlich 7 Cent mehr. Kurze Zeit später wurde auch Butter teurer. Die Milchbauern sahen im Juni aber nur 0,3 Cent pro Liter mehr und bekamen knapp 33 Cent pro Liter von den Molkereien. Das Problem: Nur 40 Prozent der mehr als 28 Millionen in Deutschland erzeugten Tonnen Milch gehen an den hiesigen Einzelhandel. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Trinkmilch oder Butter. Deshalb geht nur ein Teil der Erhöhung an die Milchbauern.

Preisverhandlungen sind Sache der Wirtschaft

Die Hoffnungen vor der Spitzenrunde, die Seehofer selbst als Gipfel angekündigt hatte, waren teils gering. "Man erwartet nicht zu viel", sagte Milchbauer Detlef Schulze aus Liebenwalde in Brandenburg. Dazu kommt, dass sich der Deutsche Bauernverband und der Bundesverband der Milchviehhalter nicht in allen Forderungen einig sind, im Ziel aber wohl: Erhaltung der heimischen Milchwirtschaft und höhere Erzeugerpreise. "Wir tun, Bund und Länder, was wir tun können", sagt Seehofer. Er weiß, dass Preisverhandlungen Sache der Wirtschaft sind.

Obwohl es um Milch ging, tagten die rund 50 Beteiligten im Saal "Bierkeller". Die Atmosphäre war nach Teilnehmerangaben konstruktiv. Seehofer baute jedenfalls schon einmal vor, was die Erwartungen an das Treffen anging. "Sie können in Deutschland machen, was Sie wollen - es wird immer auch eine kritische Bewertung geben. Über den Punkt bin ich längst hinaus."

Marc-Oliver von Riegen/DPA DPA

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