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Möglicher Kompromiss bei der Linkspartei: Gysi bleibt Chef, Wagenknecht wird Stellvertreterin

Vor zwei Jahren hat Gregor Gysi schon einmal verhindert, dass Sahra Wagenknecht an die Spitze der Linksfraktion aufrückt. Auch jetzt hat er gute Chancen, alleiniger Chef zu bleiben.

Im Streit über die künftige Führung der Linksfraktion im Bundestag zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die engere Fraktionsführung hat sich nach Angaben aus Parteikreisen darauf verständigt, dass Gregor Gysi alleiniger Vorsitzender bleiben und Sahra Wagenknecht einzige "erste Stellvertreterin" werden soll.

Daneben soll es sechs weitere Stellvertreter geben, darunter der frühere Parteichef Klaus Ernst und der ehemalige Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag am Rande der Klausurtagung der Fraktion im brandenburgischen Bersteland.

Wagenknecht, die bisher eine Doppelspitze zusammen mit Gysi angestrebt hatte, soll ihre Zustimmung signalisiert haben. Der Kompromissvorschlag sollte den 64 Abgeordneten am Dienstag oder Mittwoch bei der Klausurtagung präsentiert werden.

36 Frauen und 28 Männer

Die Doppelspitze mit Wagenknecht wird vor allem von den westdeutschen Fundamentalisten in der Fraktion befürwortet. Die ostdeutschen Pragmatiker sind dagegen für Gysi als alleinige Spitze. Der Linksfraktion gehören je 32 Abgeordnete aus Ost und West an, die aber nicht alle einem der beiden Lagern zuzuordnen sind.

Die Abgeordnete Sevim Dagdelen vom linken Flügel kündigte vor der Klausur einen Antrag der nordrhein-westfälischen Abgeordneten an, nach dem die Doppelspitze als einzige Option fest im Fraktionsstatut verankert werden soll. "Ich glaube, das stünde einer Fraktion, die mehrheitlich aus Frauen besteht, auch gut zu Gesicht", sagte sie der DPA.

Der Linksfraktion gehören 36 Frauen und 28 Männer an. Dagdelen sprach sich klar für Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende neben Gysi aus. "Da eignet sich natürlich eine Sahra Wagenknecht ganz hervorragend, weil sie auch schon das Gesicht der Linken ist und auch im Wahlkampf das bewiesen hat."

Analyse der Wahlergebnisse und erste Initiativen

Gysi hatte bereits 2011 verhindert, dass Wagenknecht an seine Seite in die Fraktionsspitze aufrückt. Seitdem ist die frühere Wortführerin der innerparteilichen Kommunistischen Plattform neben Cornelia Möhring eine von zwei "ersten stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden". Daneben gab es mit Bartsch und Ulrich Maurer zwei weitere Stellvertreter Gysis. Maurer ist im neuen Bundestag nicht mehr vertreten.

Zum Auftakt der Fraktionsklausur sollte es am Dienstag zunächst um die Analyse des Wahlergebnisses und erste Initiativen für die neue Legislaturperiode gehen. Die Linke war bei der Bundestagswahl von 11,9 auf 8,6 Prozent abgesackt, wurde aber dennoch drittstärkste Kraft und würde bei einer großen Koalition die Opposition anführen.

jat/DPA / DPA