München Eine Stadt sagt Nein: Zehntausende demonstrieren gegen Krieg


München glich einem Heerlager. Polizei- Einsatzwagen dominierten das Bild, Sperrgitter begrenzten den Zugang zum hermetisch abgeriegelten Tagungsort der 39. Sicherheitskonferenz.

München glich einem Heerlager. Polizei- Einsatzwagen dominierten das Bild, Sperrgitter begrenzten den Zugang zum hermetisch abgeriegelten Tagungsort der 39. Sicherheitskonferenz. Wenige hundert Meter vom Hotel Bayerischer Hof entfernt demonstrierten bei dichtem Schneetreiben in der Innenstadt zehntausende Menschen. Drinnen wie draußen stand ein Thema im Mittelpunkt des Interesses: der drohende Irak-Krieg.

Ein massives Aufgebot von 3500 Polizisten war im Einsatz, um jede Form von Krawallen im Keim zu ersticken. Doch der Großteil der Demonstranten verhielt sich friedlich. Weder Bierflaschen noch Eier flogen. Wer sich wirklich mit der Polizei anlegen wollte, der griff zu einem anderen Mittel - und zwar zum Schnee. So wurde aus der Demonstration nach und nach eine große Schneeballschlacht.

Mit einem ungewöhnlich breiten Bündnis hatten Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien zu einer der beiden Großkundgebungen aufgerufen. «Mich beeindruckt die geschäftsmäßige Routine, mit der über Kriegsoptionen gesprochen wird», sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) unter Applaus.

Fast zeitgleich versammelten sich in der Innenstadt Tausende zu einer zweiten Kundgebung, zu der rund 80 linke Gruppen aufgerufen hatten. Begleitet wurden sie von hunderten Polizisten. Daneben drängten sich mit dicken Einkaufstüten bepackte Menschen in die Geschäfte, um die letzten Schnäppchen des Winterschlussverkaufs zu ergattern. Nur wenige Ladenbesitzer in der Innenstadt öffneten ihre Geschäfte gar nicht erst.

Die Polizei hatte hunderte Unterbringungsmöglichkeiten für in Gewahrsam genommene Menschen eingerichtet, doch diese blieben zunächst weitgehend leer. Insgesamt wurden von Freitagabend bis Samstagnachmittag elf Demonstranten unter anderem wegen Beleidigung und versuchter Körperverletzung festgenommen. 25 Menschen mussten in Gewahrsam, 23 von ihnen waren bereits in der Nacht zum Samstag aus einem Jugendtreff geholt und festgesetzt worden.

Bei der Sicherheitskonferenz vor einem Jahr hatte die Stadt Demonstrationen verboten. Dennoch kamen damals mehrere Tausend Menschen nach München. Demonstranten und Polizei gerieten aneinander, insgesamt wurden 850 Teilnehmer in Gewahrsam genommen. Dieses Jahr blieb es ruhig. Nur bei den Autofahrern herrschte ein bisschen Ärger. Denn die Innenstadt war für den Verkehr weitgehend gesperrt.


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