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Nach Boetticher-Rücktritt: CDU berät personelle Konsequenzen

Der Rücktritt des Spitzenpolitikers Christian von Botticher wegen der Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen schockt die Nord-CDU. Nun soll möglichst schnell ein Nachfolger präsentiert werden.

Die CDU in Schleswig-Holstein steht heute vor wichtigen personellen Weichenstellungen. Die Gremien der Partei beraten in Kiel darüber, wie es nach dem Rücktritt von Christian von Boetticher von allen seinen Spitzenposten weitergehen soll.

Montagabend gab Boetticher auch seinen Rücktritt als Vorsitzender der Landtagsfraktion bekannt, nachdem er zuvor bereits den Vorsitz der Landespartei und die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl im Mai nächsten Jahres aufgegeben hatte. Er zog damit die Konsequenz aus seiner früheren Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen.

Für die Nord-CDU ist die Personalie Boetticher ein harter Schlag. Galt der politische Ziehsohn von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen doch als ihr mit Abstand größtes politisches Talent. Dass er ebenfalls nicht mehr die CDU-Landtagsfraktion führen wolle, teilte Boetticher seinen Parteifreunden in einer schriftlichen Erklärung mit. Als Grund für seinen Rücktritt nannte er die "öffentliche Jagd auf mich".

Wirtschaftsminister de Jager steht als Nachfolger bereit

Als neuer Hoffnungsträger für die angeschlagene CDU gilt nun Wirtschaftsminister Jost de Jager (46), der seine Bereitschaft zu einer Spitzenkandidatur auch schon signalisiert hat. Der Landesparteivorsitz könnte ebenfalls auf ihn hinauslaufen. Eventuell fällt darüber am Abend eine Vorentscheidung.

Bereits am Mittag tritt die Landtagsfraktion zusammen. Mit den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Hans-Jörn Arp und Johannes Callsen sowie dem Finanzexperten Tobias Koch waren bisher drei mögliche Kandidaten für die Nachfolge Boettichers in der Diskussion. Sie sind bisher überwiegend als Fachpolitiker für Wirtschaft und Finanzen in Erscheinung getreten.

Bei der Entscheidung über den Fraktionsvorsitz wird auch die Frage eine Rolle spielen, welche Integrationskraft der jeweilige Kandidat aufbringt und welche Führungsqualitäten ihm die anderen Abgeordneten zutrauen.

be/DPA/AFP / DPA