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CDU Schleswig-Holstein: De Jager will offenbar Boetticher beerben

Das Personalkarussell der Nord-CDU nimmt Fahrt auf. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Christian von Boetticher fällt immer wieder ein Name: Jost de Jager. Der Wirtschaftsminister ist offenbar bereit, bei den Landtagswahlen in neun Monaten als Spitzenkandidat anzutreten.


Nach dem Rückzug des schleswig-holsteinischen CDU-Spitzenkandidaten Christian von Boetticher verdichten sich die Anzeichen, dass Wirtschaftsminister Jost de Jager die Partei in die Landtagswahl führen soll. Der 46-Jährige hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur seine Bereitschaft zur Spitzenkandidatur bereits signalisiert.

Am Sonntagabend hatte Landtagsfraktionschef von Boetticher seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur und seinen Rücktritt als Landesparteichef erklärt. Der 40-Jährige zog damit die Konsequenz aus einer Liebesbeziehung zu einer seinerzeit 16-Jährigen im vergangenen Jahr.

Noch nicht definitiv entschieden ist bisher, ob es auch zu einem Wechsel an der Fraktionsspitze kommt. Als mögliche Nachfolgekandidaten gelten die Fraktionsvizes Hans-Jörn Arp und Johannes Callsen sowie Finanzexperte Tobias Koch. Von Boetticher nahm am Montagmorgen seine Arbeit im Landtag wieder auf. Ob er entgegen vieler Erwartungen im Amt bleibt oder abgelöst wird, entscheidet sich am Dienstag.

Auch Parteivorsitz könnte an de Jager fallen

Am Abend wird auch die komplette Parteispitze das weitere Vorgehen beraten. Möglicherweise gibt es dann eine Vorentscheidung im Hinblick auf den künftigen CDU-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl am 6. Mai 2012. Dieser soll am 4. November mit der Aufstellung der Landesliste offiziell gewählt werden.

Offen ist bisher auch, wer neuer Parteivorsitzender werden soll. Auch dieser Posten könnte an de Jager fallen, erfuhr die Nachrichtenagentur DPA in Kiel.

Moralische Komponente falsch eingeschätzt

Bei seiner Rücktrittserklärung am Sonntagabend hatte sich von Boetticher zu seiner damaligen Liebesbeziehung bekannt und von einem "politischen Fehler" gesprochen. "Ich habe zu diesem Zeitpunkt keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt, so dass man nicht von einer Affäre sprechen kann", erklärte er. Das Verhältnis zu dem Teenager stammt aus der Zeit vor Boettichers Nominierung zum Spitzenkandidaten. Das Mädchen bekannte sich im Kölner "Express" zu der damaligen Beziehung und sagte: "Ich kann bis heute nichts Schlechtes über Christian sagen."

Für die Spitzenkandidatur hatte ihn der scheidende Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) vorgeschlagen, der am Montag nach der Sommerpause ebenfalls die Amtsgeschäfte wieder aufnahm.

Der geschäftsführende Landesvorstand der Nord-CDU quittierte Boettichers Rücktrittsentscheidung in einer Erklärung "mit Respekt". Er habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat".

kng/DPA / DPA