Osthoff-Entführung "Eigentlich zahlen alle Lösegeld"


Kaum ist das Entführungsopfer Susanne Osthoff wieder frei, wird über die mögliche Zahlung eines Lösegelds spekuliert. Experten gehen davon aus, dass es einen "Deal" gegeben haben muss.

Bei der Freilassung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff könnte Experten zufolge Geld eine Rolle gespielt haben. "Eigentlich zahlen alle, die Geiseln frei bekommen haben, Lösegelder", sagte der Nahostexperte Peter Scholl-Latour am Montag der Nachrichtenagentur AP. Das Geld könne zum Beispiel über karitative Organisationen im Irak gezahlt worden sein. "Es muss irgendein Deal stattgefunden haben", sagte der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven.

Beide Fachleute vermuten sunnitische Nationalisten oder Kriminelle als Täter. "Bei aller Vorsicht deutet vieles in diese Richtungen", sagte Tophoven. Die Terrorgruppe um den jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi scheide dagegen aus. Es sei nicht wie üblich ein zweites Video veröffentlicht worden, auf dem die Geisel um ihr Leben flehe.

Nach Scholl-Latours Worten haben schiitische und kurdische Gruppen kein Interesse daran, dass die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einstellt. Dies hatten die Entführer in einem der ARD zugespielten Video gefordert.

Wird die Öffentlichkeit nie etwas erfahren?

Beide Experten sagten, dass die Öffentlichkeit wegen der großen Geheimhaltung möglicherweise nie über die Hintergründe der Entführung erfahren könnte. Die Bundesregierung hielt sich auch am Montag bedeckt.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime, Nadeem Elyas, waren sogar zwei Gruppen im Spiel: "Wir wissen, dass die Entführer anfangs eine kriminelle Gruppe waren, die nur auf Lösegeld aus war", sagte Elias der "Mitteldeutschen Zeitung" unter Berufung auf eigene Informationsquellen im Irak.

"Diese erste Gruppe hat Frau Osthoff an eine islamisch orientierte Gruppe ’verkauft’." Die zweite Gruppe habe das Interesse verloren, als sie bemerkt habe, dass Osthoff nichts mit Spionage zu tun habe: "So kam es zu der schnellen Freilassung."

Der Terrorismus-Experte Tophoven betonte, dass die Bundesregierung Lösegeld niemals direkt an Geiselnehmer zahlen würde. Wenn Geld fließe, dann in der Regel über Zwischenstationen. So sei im Entführungsfall der Göttinger Eheleute Wallert auf den Philippinen Lösegeld über die Stiftung des Sohns des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi gezahlt worden. Auch Italien habe mit Sicherheit für die Freilassung der Journalistin Giuliana Sgrena im Irak gezahlt.

Tophoven lobte die strikte Geheimhaltung der Bundesregierung. "Wenn man Krisenmanagement offen legt, kann das zu Nachahmungen führen", sagte er. Der Gegner würde so nur lernen. "Indiskretionen hätten vor allem das Leben von Frau Osthoff gefährdet", so Scholl-Latour. Er vermutet, dass die Bundesregierung nicht mit den USA in dem Fall zusammengearbeitet hat. Die US-Truppen hätten sonst möglicherweise eine Befreiungsaktion versucht. "Solche Unternehmen gehen aber meistens schief", sagte Scholl-Latour.

Thomas Seythal/AP AP

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