Oswald Metzger Endstation Biberach


Nach seinem Auftritt in der Landtagsfraktion hat sich Oswald Metzger von seinem grünen Kreisverband in Biberach verabschiedet. Die überraschende Reaktion seiner Buddys: Keiner ist ihm böse. Viele denken nach dem Parteitag selber über einen Austritt nach. Ein Ortstermin im Schwäbischen.
Von Katharina Schönwitz

Als die Anwesenheitsliste herumgeht, ist Oswald Metzger bereits in seinem neuen Leben angekommen. Er trägt ein: kein Mitglied. Es ist wohl das letzte Kreisverbandstreffen der Grünen in Biberach, an dem er teilnehmen wird. Im Hinterzimmer des Restaurants Biber-Thai treffen sich die etwa zwanzig Mitglieder, die einen im groben Wollpulli, die andern in Trachtenjacke und Anzug. Nur sein Nachfolger im Landtag Eugen Schlachter ist nicht erschienen. "Seine Frau feiert Geburtstag und hat das Haus voller Gäste", entschuldigt ihn einer der Kreisvorsitzenden. Oswald Metzger bestellt bei der Bedienung in Kittelschürze einen Schnaps. Das Ambiente ist rustikal, genauso wie das Schwäbisch, das hier von allen gesprochen wird. Eichentische, altrosa Vorhänge und mittelalterliche Stiche bestimmen die Einrichtung. Nur ein paar Fotos von weißen Stränden und das Essen erinnern an Thailand. Auf der Tagesordnung stehen nur zwei Punkte: Oswald Metzger und Sonstiges. Über Radio und Fernsehen sind die meisten schon über seinen Austritt informiert. Zur Sicherheit lässt Metzger aber nochmal die vorbereitete Pressemitteilung herumgehen, bevor er selbst das Wort ergreift.

Im Anschluss daran ist klar: Seine alten Weggefährten stehen beinahe ausnahmslos hinter ihm. Das bedingungslose Grundeinkommen, das die Grünen in Baden-Württemberg forderten, stößt auch bei den bodenständigen Parteikollegen in Oberschwaben auf Unverständnis. "Jeder muss doch für sein Geld schaffen gehen. Und wie soll man denn so was finanzieren?", kommentieren einige Metzgers Vortrag. Sie können ihn verstehen, dass es für ihn ein Grund für den Austritt war. Keiner ist ihm deswegen böse. Viele denken selbst darüber nach, wissen aber nicht, welche Partei sonst in Frage kommen könnte. Nur seine Kommentare über Sozialhilfeempfänger nehmen ihm die meisten übel. Trotzdem sprechen alle noch von "unserem Oswald" und Metzger von "wir Grüne". Nur eine Frau findet seine Auftritte unmöglich. "Die isch aber net von hier", erklärt sofort ein Biberacher Grüner. Er meint damit, dass sie vor drei Jahren aus Berlin nach Oberschwaben zog.

"Völlig im Ton vergriffen"

In Stuttgart sieht es da schon anders aus. Die beiden Landesvorsitzenden trauern Metzger weniger hinterher. "Es gab bei uns finanzpolitischen Sachverstand vor Oswald Metzger, und es wird ihn auch nach Metzger geben", sagt Petra Selg. Und Daniel Mouratidis wird noch deutlicher. "Mit seinen unsäglichen Äußerungen über Sozialhilfeempfänger hat er sich nicht nur völlig im Ton vergriffen. Solche verbalen Entgleisungen auf Stammtischniveau sind auch mit dem grünen Menschenbild nicht vereinbar." Eines müssen sie aber doch anerkennen: Nämlich dass er sein Mandat niederlegt. Metzger hätte - wie vor drei Jahren die grüne Landtagsabgeordnete Heike Dederer - sein Mandat behalten und direkt zur CDU gehen können. Dann hätte die Unionspartei die absolute Mehrheit im baden-württembergischen Landtag besessen.

So bleibt Metzger zunächst fraktionsloser Abgeordneter, bis sein Nachfolger antritt. Danach hat er vier Monate lang Anspruch auf Übergangsgeld von fast 5000 Euro im Monat. Spätestens in einem halben Jahr soll Eugen Schlachter das Mandat übernehmen. Sein Fachgebiet ist ebenfalls die Finanzpolitik. Der 50-Jährige ist Vorstandssprecher der Raiffeisenbank von Dellmensingen bei Ulm. Dass Metzger in die CDU oder FDP eintreten wird, daran besteht kein Zweifel. "Spätestens 2009 möchte ich wieder in der Bundespolitik mitmischen." Welche der beiden Parteien er allerdings favorisiert, wird er erst Anfang des kommenden Jahres entscheiden. Angebote zu einem Parteieintritt hat er von beiden Seiten bekommen. Fraglich ist jedoch, ob er auch ein Angebot für ein Bundestagsmandat erhält. Denn auch bei CDU und FDP gibt es genügend Bewerber für ein Mandat. "Viele warten seit Jahren auf diese Chance und werden von einem Parteiwechsler, der ihnen den Sitz im Bundestag streitig macht, nicht gerade begeistert sein", kommentiert Petra Selg von den Grünen schnippisch.


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