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Piraten auf Schlingerkurs: Bernd Schlömer legt sich "politische Hornhaut" zu

Was passiert, wenn Idealismus auf politisches Alltagsgeschäft trifft, muss aktuell Bernd Schlömer erleben: Der Piraten-Chef beklagt den rüden Umgangston in der Partei. Hinschmeißen will er aber nicht.

Von wegen Friede, Freude, Bällebad: Die Piratenpartei macht derzeit eher durch Querelen in der Führungsriege denn durch inhaltliche Arbeit von sich reden. Eine Außendarstellung, die dem Bundesvorsitzenden der Piraten, Bernd Schlömer, nicht gefallen kann. Im Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" gestand der 41-Jährige am Sonntag, dass ihn der mitunter verletzende Umgangston in seiner Partei ernüchtert hat.

Er sei härter geworden im Nehmen, ohne diese Veränderung an sich zu mögen, so Schlömer. "Aber als Führungskraft einer Partei wird man auch von ihren Mitgliedern geformt." Nichtsdestotrotz wünsche er sich einen respektvolleren Umgang miteinander, auch wenn ihn die Beschimpfungen nicht mehr persönlich träfen. "Es wird auch niemandem gelingen, mich rauszuekeln", sagte Schlömer. Kontinuität sei ein Kriterium für Wählbarkeit.

Tatsächlich befindet sich die junge Partei momentan in der Krise: Laut stern-RTL-Wahltrend mäandern die Piraten seit Wochen bei Umfragewerten um die fünf Prozent. Der aktuelle Emnid-Sonntagstrend für "Bild am Sonntag" sieht die Piraten sogar nur noch bei vier Prozent, womit sie den Einzug in den Bundestag verpassen würden. Vor einem Jahr konnte die Newcomer-Partei noch zweistellige Zustimmungswerte für sich verbuchen.

An Ponader scheiden sich die Piraten

Die Führungsriege um Schlömer zeigt sich in der Öffentlichkeit derzeit heillos zerstritten: Vor rund einer Woche hatten die Vorstandsmitglieder Julia Schramm und Matthias Schrade ihren Rücktritt angekündigt. Schramm hatte wegen einer Buchveröffentlichung parteiintern heftige Kritik einstecken müssen. Schrade verwies auf seinen Konflikt mit dem Politischen Geschäftsführer Johannes Ponader. Laut Informationen des "Spiegel" mehren sich unterdessen die Stimmen derjenigen, die eine Rückkehr von Ponaders beliebter Vorgängerin Martina Weisband fordern. Die 24-Jährige zeigte sich auf Anfrage offen für den Vorschlag.

Auf die Frage, ob Ponader die Verantwortung für die schlechten Umfragewerte übernehmen und gehen müsse, antwortete Schlömer mit einem knappen Nein. Vor einer Woche hatte er der "Bild am Sonntag" allerdings gesagt: "Der Ball liegt im Feld von Johannes Ponader." Im "Tagesspiegel" zeigte sich Schlömer optimistisch. Die Partei werde auch ohne einen Bundestagseinzug weiterleben. "Aber ich bin absolut sicher, dass wir es schaffen werden und irgendwo zwischen fünf und sieben Prozent landen."

jwi/DPA/Reuters / DPA / Reuters