HOME

Pisa-Studie: Deutschland wird schlauer

Während Bayern laut einer neuen Pisa-Studie weiter Klassenprimus ist, müssen sich vor allem die Stadtstaaten mit schlechten Noten begnügen. Im Vergleich zum ersten Pisa-Test konnten die Forscher jedoch verbesserte Leistungen feststellen.

Bayern ist erneut eindeutiger Sieger des deutschen Pisa-Bundesländer-Vergleichs. Seine 15-jährigen Schüler stellten in allen getesteten Bereichen die gleichaltrigen Jungen und Mädchen aus den anderen Bundesländern deutlich in den Schatten. Getestet wurden die Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften, Lesen und Problemlösen. In dem neuen Bericht, der der Nachrichtenagentur DPA vorliegt, stellen die deutschen Pisa-Forscher zugleich die anhaltende Chancenungleichheit im Schulsystem heraus. Arbeiter- und Migrantenkinder würden zu wenig gefördert.

In Sachen Leistung verzeichnen dagegen alle 16 Bundesländer gegenüber dem ersten Pisa-Test vor drei Jahren Zugewinne. Am deutlichsten fällt dies in Sachsen-Anhalt aus.

Im Untersuchungsschwerpunkt Mathematik dringen Bayerns Schüler sogar bis in die Weltspitze der ersten fünf Pisa-Siegerstaaten vor und kommen nach Finnland, Südkorea, den Niederlanden und Japan auf Platz fünf vor Kanada. In der deutschen Wertung erobert Sachsen sowohl in Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen den zweiten Rang und verweist damit Baden-Württemberg fast überall auf Platz drei. Nur im Lesen und im Textverständnis behauptet Baden-Württemberg seinen bisherigen zweiten Platz - aber äußerst knapp vor Sachsen.

Stadtstaaten liegen hinten

Thüringen folgt überall auf Platz vier. Schleswig-Holstein bleibt im oberen Mittelfeld, Rheinland-Pfalz und Hessen im Mittelfeld. Dahinter liegt Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen fällt zurück, Brandenburg steigt teilweise auf. Berlin und Hamburg, die beim letzten Mal mangels Teilnehmer disqualifiziert worden waren, bleiben hinten. Schlusslicht ist trotz überdurchschnittlicher Verbesserungen Bremen.

Die Ergebnisse waren am Mittwochabend den Schulministern der 16 Bundesländer erstmals vorgestellt worden und werden nun von der Pisa-Kommission veröffentlicht.

Der deutsche Schulforscher Manfred Prenzel räumt in seinem Bericht an die Kultusminister ein, dass im deutschen Schulwesen der Zusammenhang von sozialer Herkunft und dem Wissen und Können der Schüler "noch immer stark ausgeprägt ist". Nach der internationalen Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) versagt kein anderes vergleichbares Industrieland so sehr bei der Förderung von Arbeiter- und Migrantenkinder wie Deutschland.

Soziale Chancenungleichheit

Bayern galt beim ersten Pisa-Test als das Bundesland mit der härtesten sozialen Selektion in Deutschland: Ein Kind aus einer bayerischen Facharbeiterfamilie hat bei gleicher Intelligenz und Kompetenz eine 6,2-mal geringere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als ein Kind aus der Oberschicht. In Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen oder Hessen ist dieser soziale Unterschied nur halb so groß. Neue Pisa-Sozialdaten sollen es erst mit der kompletten deutschen Studie geben, die erst im Spätherbst veröffentlicht wird.

Das miserable gesamtdeutsche Abschneiden beim ersten Pisa-Test hatte im Dezember 2002 in Deutschland einen Schock ausgelöst. Die Kultusminister beschlossen verschiedene Schulreformen, die nach ihren Angaben bis zum erneuten Pisa-Testtermin im Frühjahr 2003 allerdings nur bedingt greifen konnten.

DPA / DPA