VG-Wort Pixel

Plagiatsaffäre Schavan bangt vor wichtiger Entscheidung


Die Promotion von Annette Schavan sorgt weiter für Ärger. Morgen entscheidet die Universität Düsseldorf über ein formelles Verfahren. Dabei könnte die Diskussion besonders der CDU schaden.

Zum Jahreswechsel brauchte Annette Schavan dringend eine Pause: "Ich wünsche mir wie selten zuvor Ruhe", gestand die Bildungsministerin kürzlich in einem Interview. Die über die Feiertage bei ihrer Familie gesammelte Kraft wird die 57-Jährige brauchen: Am Dienstag entscheidet die Universität Düsseldorf, ob wegen der Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit ein formelles Verfahren eingeleitet wird. Noch will niemand darüber spekulieren, ob die Hängepartie um Schavans Dissertation im Wahljahr 2013 zur Belastung für die CDU werden könnte.

Vor einem Jahr veröffentlichten Plagiatsjäger ihre Vorwürfe gegen Schavan erstmals im Internet: Auf dutzenden Seiten ihrer vor mehr als 30 Jahren verfassten Dissertation "Person und Gewissen" wollen sie falsche Zitierweise entdeckt haben. Mehrere ihrer Quellen soll die damals 25-Jährige im Literaturverzeichnis unterschlagen haben. Höchst pikant waren diese Enthüllungen für eine Ministerin, die zu dem wegen Plagiaten in seiner Doktorarbeit zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) öffentlich bemerkt hatte, sie schäme sich "nicht nur heimlich".

Überrollt von der Enthüllung über ihre prominente Ex-Studentin wurde auch die Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, mehrere Monate benötigte der Promotionsausschuss für eine erste Prüfung. Wiederholt drangen Details an die Öffentlichkeit, etwa aus einer Analyse des Ausschussvorsitzenden Stefan Rohrbacher, der Schavan mit dem Vorwurf einer "leitenden Täuschungsabsicht" angeblich schwer belastete.

Entscheidung über Plagiatsverfahren

Die Universität Düsseldorf hat Kritik an ihrem Vorgehen zur Überprüfung der Promotion von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zurückgewiesen. "Das von der Philosophischen Fakultät (...) zur Zeit zu führende Verfahren wird ausschließlich auf Grundlage der entsprechenden rechtlichen Regelungen durchgeführt", betonte die Heinrich-Heine-Universität am Montag. Der Philosophische Fakultätentag habe das Vorgehen als "rechtlich korrekt" sowie "allen in der Wissenschaft geltenden Standards vollständig genügend" bestätigt.

Ein Zusammenschluss führender Wissenschaftsorganisationen hatte zuvor die Beachtung wissenschaftlicher Kriterien bei der Prüfung von Schavans Doktorarbeit gefordert. Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), wie sie zuletzt auch von dieser "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" angemerkt wurden, könnten geltendes Recht keinesfalls ersetzen, erklärte dagegen die Uni.

Nach Plagiatsvorwürfen gegen Schavan überprüft die Düsseldorfer Universität seit Monaten die Doktorarbeit der Politikerin aus dem Jahr 1980. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf berät über die Einleitung eines Plagiatsverfahrens. Die beratende Promotionskommission hat empfohlen, Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten.

Fall Guttenberg habe CSU nicht geschadet

In der schwarz-gelben Koalition in Berlin wird die Entscheidung mit Bangen erwartet. Stünde ausgerechnet die langgediente Bildungsministerin und enge Freundin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plötzlich ohne akademischen Grad da, käme dies im Wahljahr zur Unzeit. Laut "Spiegel" steht Merkel aber fest zu ihrer Vertrauten.

Der Bonner Politologe Gerd Langguth glaubt auch nicht, dass die Hängepartie um Schavan die Union am Ende Stimmen kosten könnte. "Es gibt doch so viele Bürger, die gar nicht wissen, was eine Doktorarbeit eigentlich bedeutet", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der Fall Guttenberg habe der CSU kein bisschen geschadet - und da seien die Vorwürfe schwerwiegender gewesen.

Schavan beteuerte, die Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen" angefertigt zu haben. Angebliche Rücktrittsüberlegungen dementiert sie und geht stattdessen in die Offensive: Drei Tage nach dem Düsseldorfer Votum will sich Schavan von ihrem Ulmer CDU-Kreisverband zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl wählen lassen. Noch am Wochenende versicherte sie in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich trete am 25. Januar an. Das bin ich der Wissenschaft schuldig."

jat/AFP/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker