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Plagiatsvorwürfe: Uni fordert Stellungnahme von Koch-Mehrin

Aufregung um Silvana Koch-Mehrin: Die Universität Heidelberg hat die FDP-Politikerin aufgefordert, zu ihrer umstrittenen Doktorarbeit Stellung zu nehmen. Eine Sprecherin der Hochschule bestreitet aber, dass damit eine Entscheidung in der Plagiatsaffäre getroffen worden sei.

Von Carsten Heidböhmer

Die Plagiatsaffäre um die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin geht in die entscheidende Phase: Der Berliner "Tagesspiegel" hat unter Berufung auf Hochschulkreise gemeldet, die Universität Heidelberg wolle ihr den Doktorgrad aberkennen. Der Verdacht auf mehrere Plagiate in ihrer Dissertation habe sich erhärtet. Diese würden als erheblicher Regelverstoß gewertet. Koch-Mehrin hatte im Jahr 2000 über das Thema "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865–1927" promoviert.

Eine Universitätssprecherin wollte den Bericht des "Tagesspiegel" nicht bestätigten. Allerdings räumte sie auf Anfrage von stern.de ein, dass Koch-Mehrin vor kurzem zu einer Stellungnahme aufgefordert worden sei. Daraus sei jedoch keine Vorverurteilung abzulesen. Es bleibe dabei, dass der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Uni Heidelberg die Dissertation weiter prüfe, mit einem Urteil sei nicht vor Ende Mai oder Anfang Juni zu rechnen.

Ins Rollen gebracht hatte die Affäre die Internet-Seite "VroniPlag Wiki", die auf knapp einem Drittel der Seiten in Koch-Mehrins Dissertation Plagiatsstellen gefunden hat - insgesamt sind es bislang 63 Fundstellen. stern.de hat eine Reihe der Fundstellen überprüft und bestätigt gefunden, dass die Vize-Präsidentin des Europaparlaments mehrmals abgeschrieben hat. Silvana Koch-Mehrin ist bereits der dritte Plagiatsfall, den "VroniPlag" aufgedeckt hat. Der erste Fall betraf die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Saß, von der die Plattform auch ihren Namen hat. Im zweiten Fall geht es um die Doktorarbeit des baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock.

Koch-Mehrin hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert. Sollte die Universität tatsächlich den Doktorgrad aberkennen, dürfte eine Diskussion entbrennen, ob sie als Vize-Präsidentin des EU-Parlaments haltbar ist.