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Vorwurf des Machtmissbrauchs Kubickis "Flirt" mit Koch-Mehrin: Bundestagsvize reagiert auf die Netz-Schelte

Wolfgang Kubicki und Silvana Koch-Mehrin im Juli 2005
Wolfgang Kubicki und Silvana Koch-Mehrin im Juli 2005
© Horst Pfeiffer / DPA / Picture Alliance
Wolfang Kubicki wehrt sich gegen Anschuldigungen, er habe bei einem Treffen mit der früheren FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin vor 15 Jahren seine Macht missbraucht.

Im Sturm zu stehen ist Wolfgang Kubicki gewohnt. Schließlich nimmt der FDP-Politiker selten ein Blatt vor den Mund. Unlängst bezeichnete der Bundestagsvizepräsident den türkischen Präsidenten Erdogan als "kleine Kanalratte. Sein neuester Gegenwind kommt aus dem Internet, denn zahlreiche User diskutieren fleißig bei einer Sexismus-Debatte mit, die Kubicki durch seinen Auftritt in der ARD-Sendung "Maischberger" am Mittwoch auslöste. Hier sprach ihn Moderatorin Sandra Maischberger auf ein Treffen Kubickis mit der ehemaligen Europa-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin an, über das Kubicki der "Zeit" 2010 Auskunft gab. Nun nimmt der Bundestagsvizepräsident auf RTL-Anfrage Stellung zu den Vorwürfen, er habe bei dem Treffen mit Koch-Mehrin seine Macht missbrauchen wollen.

"Flirt" zwischen Wolfang Kubicki und Silvana Koch-Mehrin

Es geht um einen "Flirt" (Kubicki) der beiden vor gut 15 Jahren in einem Brüsseler Café. Auch heute sieht Kubicki kein Problem im zwischenmenschlichen Schäkern mit Parteikollegin Silvana Koch-Mehrin, sagt er auf RTL-Anfrage: "Selbstverständlich ist Flirten in einer Partei weiterhin erlaubt, genauso wie Flirten im beruflichen Alltag kaum verboten werden kann." Den, wie er es formuliert, "eigentlichen Vorwurf", dass er "gegenüber Frau Koch-Mehrin in einem 'Jobgespräch' eine Machtposition ausgenutzt habe", weist der 70-Jährige "gelassen" von sich.

Am Mittwoch hatte der Bundestagsvizepräsident bei "Maischberger" seine Sicht der Dinge über die Begegnung mit Silvana Koch-Mehrin dargelegt. "Ich habe sie angerufen und habe gesagt: 'Wir müssen mal drüber sprechen, wir brauchen eine Generalsekretärin der FDP, wie wäre es, wenn Sie sich darüber mal Gedanken machen?'", erzählte Kubicki, "dann hat sie gesagt: 'Kommen Sie nach Brüssel, wir reden darüber'."

"Flirt" des FDP-Politikers löst Diskussion bei Twitter aus

Zusammen habe man Kaffee getrunken, "dann habe ich mit ihr geflirtet, und urplötzlich stand so ein Typ neben mir, der dreimal so groß war wie ich und zweimal so breit. Und der auch ziemlich durchtrainiert aussah. Da habe ich mir gedacht, ist doch vielleicht besser, wenn du gehst", plauderte Kubicki weiter aus dem Nähkästchen.

Sein damaliges Verhalten und seine heutige Haltung zu dem "Flirt" innerhalb der Parteigrenzen sorgt unter anderem bei Twitter für heftige Diskussionen. Als "Schande" für die FDP wird er dort bezeichnet, dass er das Amt des Vizepräsidenten im Bundestag ausübe, gehöre sich nicht. "Bei mir auf der Arbeit wäre das eine fristlose Kündigung", meint ein User. "Eklig" und "übergriffig" sei sein Verhalten gewesen und sein Frauenbild wäre in den 50er Jahren stehen geblieben.

Silvana Koch-Mehrin hatte zuvor Anfang Oktober in einem Buch, das sie zusammen mit dem früheren stern-Reporter Uli Hauser veröffentlicht hatte, über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung aus den Reihen ihrer FDP-Parteikollegen berichtet. "Es ist falsch, dass ich geschwiegen habe", meinte sie bei stern TV. Namen hatte die 51-Jährige darin nicht genannt.

Auch im stern-Interview sprach Silvana Koch-Mehrin über ihre Erlebnisse:

Nach Kubickis Äußerungen bei "Maischberger" hatte sie am folgenden Tag in der "Aktuellen Stunde" des WDR erzählt, der "Typ" sei ihr Mann gewesen, den sie gebeten hatte, "nach ungefähr einer Stunde mal vorbeizuschauen, weil ich schon vermutete, da ist mehr im Spiel". Sie habe sich damals als "schlau" und "stark" empfunden ob dieser Idee, ein Problem hätte sie nicht erkannt.

Und genau das sei ja das Problem, meint die 51-Jährige heute: "Wenn meine Töchter mir heute erzählen würden, sie hätten einen solchen Termin und würden solche Drumherummaßnahmen ergreifen, würde ich mich sehr erschrecken."

"Ein Flirt ist immer respektvoll"

Wolfgang Kubicki ordnet auf RTL-Anfrage die Geschehnisse weiter ein. Er hätte zu der Zeit als "Paria" (etwa: unterprivilegiert, "einfacher Abgeordneter", Anm. d. Red.) der Partei angehört, wäre Abgeordneter im Landtag von Schleswig Holstein gewesen. "Frau Koch-Mehrin galt im Gegensatz zu mir als Hoffnungsträgerin, war Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments." Er sei von anderen Politikern gebeten worden, mit ihr in Kontakt zu treten, um ihr Interesse am Posten der FDP-Generalsekretärin auszuloten.

Das Vorschlagsrecht für diese wichtige Parteiposition läge "laut Parteisatzung aber beim Vorsitzenden. Das wusste Frau Koch-Mehrin auch", erinnert sich Kubicki. Die FDP-Politikerin habe zudem selbst über das Zusammentreffen an sich, Ort und Uhrzeit bestimmt.

Die im Internet erhobenen Vorwürfe bezüglich seines Verhaltens weist der 70-Jährige deutlich von sich: "Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Übergriffigkeiten – hierzu zählt auch das Ausnutzen von Machtpositionen –, die definitiv nicht in einer Partei zu tolerieren sind, und einem Flirt. Ein Flirt ist immer respektvoll, weil er nur beidseitig geht. Übergriffigkeit ist respektlos, weil dies einseitig geschieht. Diesen Unterschied sollte man immer beachten."

Silvana Koch-Mehrin hat sich am Freitag zu der Debatte noch nicht weiter geäußert.

Dieser Artikel erschien zuerst bei RTL.de.

wue

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