Politische Widergänger Henrico Frank blafft SPD-Chef Beck an


Eigentlich wollte SPD-Chef Beck in Berlin nur mitteilen, dass er genauso brummelbärenzufrieden ist, wie er aussieht. Doch RTL hatte einen besonderen Gast auf Becks Berliner Pressekonferenz geschmuggelt: Henrico "Wasch Dich mal" Frank. Es wurde eine Begegnung der dritten Art.
Von Lutz Kinkel

"Kennense misch noch?" Nein, so gut wie niemand kennt ihn noch. Dunkle Haare. Vollbart. Schwarze Klamotte. Tattoos. Wächsernes Gesicht, ein scheuer, ängstlicher Blick, geweitete Pupillen. Oder doch: War das nicht, ist das nicht, Hen..., Henri..., warte mal: Henrico Frank? Mr. Hartz-IV aus der Wiesbadener Fußgängerzone? Dem SPD-Chef Beck vor rund einem Jahr reingesungen hat, er sollte sich erstmal waschen und rasieren, dann hätte er auch bessere Aussichten, einen Job zu kriegen?

Eigentlich hatte Kurt Beck in die Berliner Bundespressekonferenz geladen, um das Jahr 2007 Revue passieren zu lassen. Das tat er auch. Brummelbärensatt von den tatsächlichen und vermeintlichen Erfolgen. Die Partei? Wieder selbstbewusst und angriffslustig. Mindestlohn? Fortsetzung folgt. Schutz von Kindern? Grundgesetzänderung möglich. Tiefensee? Macht einen guten Job. Misserfolge? Hat's vielleicht gegeben, der Parteitag jedenfalls war ein voller Erfolg. Noch Fragen?

"Kannst was sagen"

Eigentlich nicht, wozu auch. Nur eine Wortmeldung ist noch offen. Die Wortmeldung dieser dunklen, seltsamen Gestalt, die sich unter die Jackett-Träger gemischt hatte. "Kennse misch noch?", presst Henrico Frank in höchster Erregung raus. Es sei eine "Demütigung" gewesen, was Beck damals zu ihm gesagt habe. Eine Demütigung! "Ich habe sie herausgefordert", retourniert Beck, der nicht die geringste Neigung zeigt, sich aus seiner Sozialdemokratenfesttagsstimmung herausreißen zu lassen. Und das sei auch richtig gewesen. Schließlich habe sich sein Leben zum Besseren gewendet. Dazu gratuliere er. Abgang Beck von der Bundespressekonferenz.

Ungläubiges Staunen im Publikum, alles strömt zu Henrico Frank. Wie zum Teufel ist er reingekommen? Was sollte der Auftritt? Ein blonder Mann ruft ihm gönnerhaft zu: "Du kannst ruhig was sagen." Der Mann sagt, er heiße Karl Wirz und arbeite für RTL-Explosiv. Er hatte, wie sich später herausstellt, Henrico Frank in das Gebäude geschmuggelt. Eine herbeigeeilte Organisatorin der Bundespressekonferenz ist sauer und redet auf Wirz ein. Henrico Frank steht zittrig und unsicher im Pulk der Journalisten.

Angereist und hingekarrt

Nur mit Mühe gelingt es ihm, ein paar Antworten zu geben. "Ich muss mich nicht demütigen lassen", sagt er. "Ich habe auf eine Entschuldigung gewartet." Er arbeite nun für einen Musiksender. 2000 Brutto pro Monat. Aber er müsse Schulden abzahlen. Dann sagt Henrico Frank, "RTL und ich haben die Idee gehabt", hierher zu kommen. Seine Augen suchen Wirz. Er signalisiert ihm, dass diese Aussage okay sei. Dafür sei er extra aus Frankfurt angereist.

Offenkundig hat RTL Henrico Frank dafür extra dafür nach Berlin gekarrt. Um ein bisschen Krawall mit Oberpromi Beck zu inszenieren. Um Quote zu sichern. Für die mehrteilige RTL-Explosiv-Miniserie über Henriko Franks Leben im Jahr nach dem Wiesbadener Clash, der ihn von einem elenden Niemand zu einem etwas weniger elenden Jemand befördert hat.

Zwei Männer, eine Frage

Anfang 2008 soll die Serie ausgestrahlt werden. Anfang 2008 muss sich die SPD drei Landtagswahlen stellen. Diese werden auch über Becks Chancen entscheiden, Kanzlerkandidat der SPD zu werden. Vielleicht geht alles in die Grütze. Und dann? "Kennse misch noch?"


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