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PORTRÄT: »Richter Gnadenlos« mit Hang zur Selbstdarstellung

Mit seinen harten Urteilen hat sich Ronald Schill als »Richter Gnadenlos« bundesweit einen Namen gemacht.

Mit seinen harten Urteilen hat sich Ronald Schill als »Richter Gnadenlos« bundesweit einen Namen gemacht. Jetzt will er seine Forderungen nach einer härter durchgreifenden Justiz auch politisch umsetzen. Mit seinen »Law-and-Order«-Parolen füllt der hoch gewachsene Rechtspopulist ganze Säle. Dabei kommt ihm sein Hang zur Selbstdarstellung zu Gute. Angesichts seiner Rhetorik wird der 42-Jährige bisweilen mit dem österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider verglichen. Allerdings gibt sich Schill gemäßigter als der Österreicher. So bricht er auf seinen Veranstaltungen regelmäßig eine Lanze für »rechtschaffende ausländische Mitbürger«.

In der Hamburger Justiz wird Schill seit Jahren angesichts seiner Richterschelte und der Kommentare in den Medien über »zu milde« Urteile seiner Kollegen kritisch beäugt. Im Herbst 1999 beschloss das Amtsgericht, ihn von Strafverfahren abzuziehen und als Richter für Zivilsachen einzusetzen. Im Oktober wurde der Richter in erster Instanz wegen Rechtsbeugung zu 12 000 Mark Strafe verurteilt. Er hatte im Mai 1999 nach Ansicht des Landgerichts die Entlassung von zwei Männern aus der links-autonomen Szene aus der Ordnungshaft zwei Tage lang verzögert. Anfang September wollte der Bundesgerichtshof (BGH) über die Revision entscheiden.

Für die Wahl hat sich der Amtsrichter - zuletzt zuständig für Mietsachen - beurlauben lassen. Geboren wurde Ronald Barnabas Schill im Hamburger Schanzenviertel, das heute als Hochburg der linkautonomen Szene gilt. Mit Vorliebe berichtet er von seinem Großvater Kurt Schill, der 1944 als Kommunist von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Neuengamme umgebracht worden sei.

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