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Wahlkampf des Unionskandidaten "Laschet agiert in Sachen Selbstdemontage wie ein Plagiat Baerbocks"

Armin Laschet
Hat im Wahlkampf zu kämpfen: Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesvorsitzender der CDU und Kanzlerkandidat der Union.
© Christophe Gateau / DPA
Armin Laschet steht unter Druck: Der Kanzlerkandidat der Union schwächelt in Umfragen und hat nun auch noch Plagiatsvorwürfe am Hals. So kommentiert die Presse Laschets Lage.

Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl hat Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) Fehler in seinem Buch "Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance" aus dem Jahr 2009 eingeräumt und um Entschuldigung gebeten. Zuvor war auf Twitter eine Gegenüberstellung des Plagiatsprüfers Martin Heidingsfelder veröffentlicht worden, die auf auffallende Ähnlichkeiten zwischen einer Passage des Laschet-Buchs und einem anderen Text hinweist.

Die Scherereien treffen Laschet zu einem sensiblen Zeitpunkt. Zwar liegt die CDU/CSU in Umfragen mit zuletzt 26 bis 30 Prozent weiterhin unangefochten auf Platz eins. Laschet selbst jedoch kämpft mit sinkenden Zustimmungswerten als potenzieller Bundeskanzler. In zwei aktuellen Umfragen wurde er gerade erst vom SPD-Anwärter Olaf Scholz überrundet, auch wenn dessen Partei erst hinter den Grünen auf dem dritten Platz liegt.

So bewerten die deutschen Medien Laschets Lage:

"Die Glocke" (Oelde): "Armin Laschet findet nicht in den Wahlkampf. Die Chance sich in der Hochwasserkatastrophe als Krisenmanager zu bewähren, hat der NRW-Ministerpräsident weitgehend verpasst. Statt als Kanzlerkandidat Themen zu setzen und sich zu profilieren, häufen sich unnötige Fehler. Der geschmacklose Lacher bei einem Ortstermin mit dem Bundespräsidenten im Hochwassergebiet ist immer noch präsent, da folgen am Freitag Plagiatsvorwürfe. Laschet muss einräumen, für ein Sachbuch nicht sauber gearbeitet zu haben. Der Vorwurf, dass es der Aachener manchmal nicht so genau nimmt, verfolgt ihn seit der Affäre um verschlampte Klausuren als Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Aachen im Jahr 2014. Ist das das Holz, aus dem künftige Kanzler geschnitzt sind?"

"Stuttgarter Zeitung": "Laschet agiert in Sachen Selbstdemontage wie ein Plagiat Baerbocks. Erst grinst er im falschen Moment, als staatsmännische Haltung angezeigt gewesen wäre. Jetzt muss auch er Fehler in einem Buch einräumen, die fatal an das Machwerk der Grünen-Chefin erinnern. Die akuten Krisen scheint er einfach weglächeln zu wollen. Corona? Klimawandel? Akzente kommen von ihm nicht."

"Süddeutsche Zeitung": "Die Union erfährt nun, dass sie nicht darauf hoffen darf, dass diejenigen, die stets das Kreuzchen wegen Angela Merkel bei ihr gemacht haben, das im September wieder tun werden. Für sechs Millionen Menschen war Merkel der entscheidende Grund gewesen, Union zu wählen. Zwei Monate vor dem Wahltermin zeigt sich, wie naiv es war zu glauben, dass Laschet, der Merkel-Vertraute, ihre Stimmen binden könnte. Dazu hat der Kandidat selbst beigetragen: Seine Auftritte haben gezeigt, dass der Stil der gründlichen Kanzlerin so gar nicht der seinige ist."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Das aus seiner Sicht Gute an den Plagiatsvorwürfen: Die Schummelei wird Armin Laschet keinen Doktortitel kosten. Gleichwohl schädigen die eingestandenen Fehler sein Image weiter. In der CSU, aber auch in Teilen der CDU machte sich schon davor große Enttäuschung über den ungeschickten und inhaltlich schwammigen Kanzlerkandidaten breit. Und jetzt noch das! Was ist das bislang für ein ärgerlicher Wahlkampf. Statt um die richtigen Antworten auf die gewaltigen Zukunftsaufgaben zu ringen, sind Laschet und Baerbock mit Selbstverteidigung beschäftigt. Lange sah es danach aus, als steuere das Land auf seine erste schwarz-grüne Regierung zu. Möglich ist das noch immer. Aber Laschet und Baerbock haben es durch ihre Pannen geschafft, das Rennen wieder deutlich offener zu machen."

"Darmstädter Echo": "Fast könnte man unken, dass Laschet die Plagiatsvorwürfe zur rechten Zeit kommen. Denn er macht größere Fehler, über die man nun vielleicht noch weniger redet. Und wer weiß: Womöglich hilft ihm die Affäre gar, indem sich die Reihen der Union hinter ihm schließen. Nur: Das allein wird nicht zum Wahlsieg reichen. Dazu muss vom Kandidaten mehr kommen."

"Frankfurter Rundschau": "Mit dem CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet hat ein weiterer Politiker bewiesen, dass er nicht richtig zitieren kann und sich dafür entschuldigt. Besser wäre es gewesen, er hätte die Quellen in seinem Werk richtig angegeben, dann könnte er sich um die wichtigen Themen im Wahlkampf kümmern. Es sollte nicht um aufpolierte Lebensläufe oder falsche Lacher gehen, vielmehr um Klimaschutz, die Anpassung an den Klimawandel oder um die vierte Corona-Welle."

Wahlkampf des Unionskandidaten: "Laschet agiert in Sachen Selbstdemontage wie ein Plagiat Baerbocks"

"Volksstimme" (Magdeburg): Rund jeder Fünfte möchte, mehreren aktuellen Umfragen zufolge, am liebsten Olaf Scholz als Bundeskanzler haben. Der SPD-Kandidat überholt damit CDU-Konkurrent Armin Laschet. Für diese Entwicklung gibt es zwei maßgebliche Gründe. Grund eins ist Armin Laschet. Also seine sprichwörtliche Wolkigkeit - viel reden, aber nichts Konkretes sagen, sein Drang, Dinge so lange wie möglich in alle Richtungen offenzuhalten anstatt eine Entscheidung zu treffen. Sein bizarrer Kicher-Anfall mitten in der Flutkatastrophe hat ihm eher auch nicht genützt. Grund Nummer zwei ist Olaf Scholz. Auch eher aus der Kategorie "Langweiler", dafür ein solider. Einer, der abwarten kann und Gespür für Timing und Situationen hat. Und dessen Wort im Allgemeinen auch gilt. Ein echter Warnschuss für Laschet und die Christdemokraten. Aber wie bei allen Umfragen gilt natürlich auch hier: Am Abend werden die Hühner gezählt.

mad DPA AFP

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