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Prozess: Sauerland-Bomber rekrutierten Terror-Nachwuchs

Geständnis im Prozess gegen die Sauerland-Gruppe: Einer der Angeklagten hat detailliert geschildert, wie er junge Männer aus Deutschland ausgesucht hat, um sie auf islamistische Terroraktionen vorzubereiten.

Ein Geständnis im Prozess gegen die islamistische Sauerland-Gruppe verschafft einen Einblick, wie Terroristen auch in Deutschland rekrutiert worden sind: Am Mittwoch hat der Angeklagte Adem Yilmaz vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zugegeben, in mehreren Fällen den Kontakt zur Terrorgruppe Islamische Dschihad-Union (IJU) in Pakistan hergestellt und die Männer dort empfohlen zu haben.

"Wie viele einer tötet, entscheidet Allah"

Einer der von Yilmaz rekrutierten Männer starb am 3. März 2008 bei einem Selbstmordanschlag auf ein Isaf-Lager in Afghanistan. "Ich habe die dahin geschickt, weil die da hinwollten", sagte Yilmaz. "Wie viele einer tötet, entscheidet Allah." Er habe die Männer nach ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Hinwendung zum Islam ausgewählt. "Ich habe denen gesagt: 'Das wird kein Kinderspiel. Ihr werdet da auch bombardiert.'"

Er habe auch Verhaltenshinweise vor der Ausreise gegeben. So habe er davon abgeraten, wie es eigentlich für Gotteskrieger üblich sei, vor der Abreise ein Testament zu machen. "Die Familien haben herumgesponnen. Die Eltern hätten Probleme gemacht und die Polizei eingeschaltet, um die Ausreise ihrer Söhne zu verhindern", sagte Yilmaz.

"Kommt nicht mehr zurück!"

Dass einige der Terror-Rekruten wieder nach Deutschland zurückgekehrt seien, wie der in Frankfurt angeklagte Hüseyin Ö., habe ihm missfallen: "Ich fand das nicht gut. Ich hatte denen gesagt: 'Kommt nicht mehr zurück!'" Die Rückkehrer hätten damit rechnen müssen, sofort festgenommen zu werden. Warum sie nach Deutschland zurückgekehrt seien, wisse er nicht. Über die pakistanischen Ausbildungslager sagte Yilmaz: "Viele Europäer halten es da wirklich nicht aus und brechen die Ausbildung ab."

Laut Anklage hat Yilmaz sechs junge Männer angeworben, die 2007 aus Deutschland ausreisten. Der Mitangeklagte Daniel Schneider soll zwei weitere angehende Gotteskrieger nach Pakistan in Terrorcamps vermittelt haben.

Vor dem Düsseldorf Oberlandesgericht sind vier Islamisten angeklagt. Sie haben bereits gestanden, für die Islamische Dschihad-Union schwere Anschläge mit Autobomben geplant zu haben. Drei der Angeklagten waren im sauerländischen Oberschledorn von der Eliteeinheit GSG 9 festgenommen worden, ein vierter wurde später in der Türkei verhaftet.

DPA / DPA