Reaktionen zur Wahl Heftige Kritik an Lafontaine


Der saarländische SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas macht Oskar Lafontaine für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten im Saarland mitverantwortlich.

Nach der Landtagswahl im Saarland wächst bei SPD und CDU der Unmut über den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine. Der saarländische SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas bezeichnete die Aufregung um Lafontaine am Sonntag ausdrücklich als einen der Faktoren für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten. Die Bundes-SPD plant aber weiter keinen Rauswurf Lafontaines. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) warf Lafontaine vor, den Zugewinn der rechtsextremistischen NPD begünstigt zu haben.

Maas sagte, die Diskussionen von und um Oskar Lafontaine hätten der SPD nicht geholfen, sondern geschadet. Lafontaine müsse sich entscheiden, ob er in Zukunft in der SPD oder außerhalb arbeiten wolle, fügte er hinzu. Auf der Basis einer Drohung mit einer Linkspartei könne es keine Zusammenarbeit mit ihm mehr geben.

Müller wirft Lafontaine Begünstigung der Rechtsextremisten vor

SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter sagte, es sei nicht solidarisch gewesen, wie sich Lafontaine verhalten habe. Er gehe aber davon aus, dass das Problem vor Ort geregelt werde. Die Parteiführung plane keinen Parteiausschluss Lafontaines. Man wolle ihn nicht weiter hochpuschen, betonte er.

Müller erklärte: "Eine verantwortliche Politik betreibt er nicht: Der treibt den Radikalen Hasen in die Scheune", sagte der Ministerpräsident. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel kritisierte, dass sich die SPD "nicht mutig von Lafontaine getrennt" habe. Das habe die Wähler verunsichert.

Lafontaine sorgt für Verwirrung bei den Wählern

Der frühere Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt zählte die Diskussion um Lafontaine ebenfalls zu den "widrigen Umständen", die der SPD geschadet hätten. Der ehemalige SPD-Vorsitzende habe die Leute eher verunsichert.

Der stellvertretende saarländische SPD-Chef Eugen Roth sagte: "Bestimmte Einsätze von Oskar haben eher zur Verwirrung beigetragen", als dass sie geholfen hätten. "Da müssen wir mit ihm noch darüber sprechen", meinte Roth.

Lafontaine Hauptursache für Wahl-Desaster?

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sagte, Lafontaines Ausfälle gegen die Politik der Bundesregierung hätten den "Landes-Malus" der Saar-SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Maas verstärkt. Der Trierer Politik-Professor und Saarland-Kenner Axel Misch wertete die Querschüsse des früheren Parteivorsitzenden sogar als eine der Hauptursachen für das Desaster der SPD.

Misch sagte, ein erheblicher Prozentsatz der SPD-Anhänger sei auf Lafontaine eingeschworen. Das "Spiegel"-Interview Lafontaines, in dem er Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Rücktritt aufgefordert hatte, sei eine klare Aufforderung an diese Klientel gewesen, nicht die SPD zu wählen. Er vermute, dass sich die SPD demnächst von Lafontaine trennen werde.

Der linke SPD-Politiker Ottmar Schreiner warnte dagegen davor, Lafontaine maßgeblich für das Scheitern verantwortlich zu machen. Zwar hätten dessen Andeutungen, eine neue Linkspartei unterstützen zu wollen, "zu gewissen Frustrationseffekten innerhalb der Mitgliedschaft geführt", sagte Schreiner dem Berliner "Tagesspiegel". Dennoch: "Entscheidend ist, dass der bundespolitische Negativtrend auch im Saarland durchgeschlagen ist."


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