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"Rechte Attitüde"?: Wirbel um Sachsens neues Polizeifahrzeug: LKA nennt Nazi-Vorwürfe "richtig bitter"

Eine Stickerei in einem neuen Spezialfahrzeug der Polizei Sachsen sorgt für Wirbel, weil sich Kritiker an Symbole aus der NS-Zeit erinnert fühlen. Das LKA findet die Vorwürfe "unerträglich" - und sieht trotzdem Anlass zum Nachdenken.

Polizei Sachsen Survivor R

In der Diskussion um das neue "Survivor"-Spezialfahrzeug der sächsischen Polizei hat das Landeskriminalamt Vorwürfe, die Stickerei auf den Sitzen erinnere an die Nazi-Zeit, scharf zurückgewiesen: Es sei "Kindergarten, das ganze Theater", sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt dem stern zu dem Wirbel um das Logo. Das Zeichen gebe es so seit 26 Jahren, es sei nur für den internen Gebraucht bestimmt und zugleich eine "identitätsstiftende Maßnahme".

"Das ist für die Kollegen richtig bitter"

Die Anschuldigung, hinter dem Logo stünden womöglich rechte Einstellungen, dementierte Bernhardt vehement: "Das ist für die Kollegen richtig bitter, die riskieren ihren Hintern und kriegen dann sowas an den Kopf geknallt", sagte der LKA-Sprecher. Dabei sei gerade das LKA bei der Bekämpfung rechter Gewalt besonders involviert.

Bernhardt erklärte auch den Hintergrund des Emblems: In seiner Mitte befinde sich das alte sächsische Wappen mit Krone. Krone sei auch der Funkrufnahme der Spezialeinsatztruppe. Die Löwen links und rechts stünden für ihren Stationierungsort, die Stadt Leipzig, die ebenfalls einen Löwen im Wappen führt. Auch die Kritik an der Darstellung des Schriftzuges "Spezialeinsatzkommando Sachsen" in Frakturschrift wies Bernhardt zurück: "Die Frakturschrift haben wir nie in der rechten Ecke verortet", sagte der LKA-Sprecher. Zudem sei die alte Frakturschrift von den Nazis 1941 sogar verboten worden.

Hersteller will sich nicht über "Survivor" äußern

Die Sonderfahrzeuge "Survivor R" sollen bei möglichen Anti-Terror-Einsätzen durch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes eingesetzt werden. Dem LKA zufolge wurden die Panzerfahrzeuge für den sächsischen Gebrauch "stark individualisiert", einschließlich der technischen Ausstattung und des Logos. Hersteller des "Survivor" ist die Firma Rheinmetall. Das Unternehmen teilte auf stern-Anfrage lediglich mit: "Wir kommentieren diesen Vorgang nicht."

Das sächsische Innenministerium hatte schon am Montagmorgen auf Twitter zu dem Wirbel Stellung bezogen: "Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert", erklärte das Ministerium. "Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück."

Das Polizei-Spezialfahrzeug "Survivor" in Sachsen

Außen beschränkt sich die Kennzeichnung des "Survivor"-Fahrzeuges des Freistaates Sachsen auf einen nüchternen "Polizei"-Schriftzug

LKA-Sprecher Bernhardt sieht, auch wenn er die Angriffe wegen des Logos für ungerechtfertigt hält, dennoch Anlass zum Nachdenken: "Wir überlegen, ob wir das so beibehalten", sagte er. "Ich will einfach nicht, dass die sächsische Polizei durch so eine Lappalie in die rechte Ecke gedrückt wird. Das ist unterträglich, besonders für die Kollegen."

Polizei Sachsen Survivor R
mad