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Schnauze, Wessi!: Gib Westdeutschen eine Chance

Viele Menschen im Westen glauben immer noch an Bio-Siegel, den Osterhasen oder dass Marktwirtschaft sozial sein könne. Statt Hohn brauchen sie mehr Verständnis. Ein neuer Ton

Von Holger Witzel

Man kann Westdeutschen zehnmal erklären, dass Neubrandenburg nicht in Brandenburg liegt. Dass ihr Geld dort nicht versickert, sondern ihresgleichen dafür Denkmäler abschreiben. Dass Angela Gauck und das Ampelmännchen nur ostdeutsche Maskottchen sind. Und wahrscheinlich könnte ich noch hundertmal schreiben, dass trotz allem niemand die DDR wieder haben will - schon weil ihr der Westen so ähnlich ist. Sie werden es nie ganz begreifen.

Western und Ostern

Man kann sie dafür auslachen, beschimpfen oder bemitleiden, aber wie alle Menschen mit Handicap können sie damit wenig anfangen. Eine Weile hat es trotzdem Spaß gemacht und auch ein paar Freunde gekostet, die sich vorher dafür hielten. So gesehen war "Schnauze Wessi" nicht ganz umsonst. Dennoch möchte ich mich nicht länger an billigen Hetzkampagnen beteiligen, sondern – auch im Geist des neuen neuen stern - etwas mehr Empathie und Zuversicht verbreiten.

Es war ein Trugschluss, Westdeutsche würden plötzlich zuhören, wenn man ihre Attitüde nachahmt - von oben herab, laut und belehrend. Sie schnappen dann auch nur ein, nach Luft oder über. Der Ton – selbst wenn es oft anders klingt – macht auch dort die Musik. Und damit sie sich nicht gleich wieder veräppelt fühlen, gewissermaßen als kleine entgegenkommende Geste der Versöhnung, wünsche ich ihnen erst mal Frohe Western statt Ostern.

Humorecke und Aids-Slogan

Aus ähnlichen Gründen heißt ein neues Büchlein, das in diesen Tagen mit meinen Beiträgen zur Völkerverständigung erscheint: "Gib Wessis eine Chance". Auf den ersten Blick mag das wie ein abgefeimter Marketingtrick des westdeutschen Verlages wirken. Nur darauf angelegt, dass auch Betroffene öfter zugreifen als bei dem schroffen Titel vorher. Sicher lässt es sich so auch leichtfertiger an sie verschenken und erste Rezensenten werfen mir bereits weichliche Altersmilde vor. Aber ich meine es ehrlich.

Selbst wenn jemand "an Ostern" sagt, ist es nie zu spät für Vergebung und einen Neuanfang. Auch Westdeutsche haben eine zweite Chance verdient - und wenn es die Letze ist. Deshalb ärgere ich mich auch ein wenig über die vergiftete Aufmachung des Buchtitels, der zumindest grafisch den alten Aids-Slogan zitiert. Fehlt nur noch der Hinweis, dass Kondome schützen! Noch gemeiner finde ich, dass manche Leute immer noch gehässig lachen, wenn ich oder andere daraus vorlesen, denn ein #link;www.schnauze-wessi.de;Hörbuch# – gelesen von Tom Pauls, Norbert Leisegang und anderen ernsthaften Menschen - gibt es inzwischen auch. Sogar Willy Brandt hat ein Vorwort beigetragen. Dennoch steht das Thema wieder nur in der Humorecke. Offensichtlich glauben Verlage und Buchhandel, sich damit distanzieren zu können: Ist ja nur Spaß. Der Witzel meint es schon nicht so, nomen est omen. Davon wiederum muss ich mich distanzieren.

Feigenblatt und Öko-Siegel

Satire ist nur Feigheit vor der Zensur. Das Etikett schützt zwar vor Anwälten beleidigter Zielpersonen. Gleichzeitig trägt es aber dazu bei, den Inhalt sofort zu kompromittieren und kleinzureden. Die Witzbuchecke ist das ironische Feigenblatt der Verleger. Sie wissen auch alle, dass ihr System am Ende ist. Dass der Mehrwert eines nahen Tages nicht mehr wert ist als halbherzige Versprechen über Bankguthaben. Wenn nötig, können sie so aber immerhin darauf verweisen, dass man es ja schon mal thematisiert hat. Wenn nicht, war es eben nur Spaß. Mir dagegen ist jedes Wort heiliger Ernst und ich gehe nun auch im Alltag mit gutem Beispiel voran.

Ich beiße mir etwa auf die Zunge, wenn westdeutsche Kollegen plötzlich mit einer Eisern-Union-Mütze durch Berlin laufen. Immer wieder erkläre ich ihnen geduldig, dass der Bundesnachrichtendienst eben mehr Mitarbeiter und deshalb auch ein größeres Gebäude braucht als der alte Stasikomplex in der Normannenstraße. Ich ermuntere sie, sich dennoch nicht einschüchtern und widerspruchslos "Verbraucher" nennen zu lassen, und warne sie eindringlich, dass Soylent Green trotz Öko-Siegel nicht von Bio-Rindern stammt.

Lacht die Verwandten in Unna nicht mehr aus!

Falls Westdeutsche doch mal unangekündigt zu Besuch kommen, habe ich sogar immer ein Päckchen Reiswaffeln im Haus. Ohne schriftliche Einladung und "U.A.w.g."-Rücksendekarte ist das zwar unwahrscheinlicher als ein Verkehrsunfall. Aber ich bremse ja auch für sie und verlange für Lesungen im Westen extra 30 Prozent mehr, damit das innerdeutsche Lohngefüge nicht aus den Fugen gerät. Clevere Ostdeutsche wissen ohnehin, dass man auf stern.de alle alten und neuen Kolumnen weiter kostenlos lesen kann. Meist haben sie sogar eine schnellere Onlineverbindung. Aber, bitte, lacht die Verwandten in Unna oder Uelzen deshalb nicht mehr aus! Schenkt ihnen lieber ein Exemplar, besser zwei. Und verwechselt diesen Appell nicht mit Eigenwerbung: Gebt Westdeutschen auch mal uneigennützig eine Chance!

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(