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Sein und Schein bei "Anne Will": Die Blender und die Tyrannei des Internets

Guttenberg? Koch-Mehrin? Leben wir in einer Republik der Blender? Und: Welche Rolle spielt bei deren Entzauberung das Internet? Anne Will hatte am Sonntag das möglicherweise nächste Politiker-Opfer der Plagiate-Jäger zu Gast – und erlaubte tiefe Einblicke in dessen Psyche.

Von Florian Güßgen

Die zwei besten Sätze der ganzen Sendung fielen ziemlich am Ende. Und sie kamen aus dem Mund des vormaligen Hochstaplers Jürgen Harksen. "Die Bevölkerung ist grundsätzlich spekulativ veranlagt und möchte gerne überall betrogen und geblendet werden", sagte der wohlbeleibte frühere Anlagebetrüger, der lange Jahre in Haft saß und nun mit schwarzgeränderter Brille, schwarzem Hemd und schwarzem Anzug daherkommt wie ein Filmproduzent. Und im nächsten Satz verkündete Harksen, fast nebenbei, eine weitere entscheidende Wahrheit. "Es wird immer schwieriger." Das Blenden. Das Betrügen. Das So-tun-als-ob. Damit war eigentlich alles Wichtige vermeldet. Und trotzdem hat es sich diesmal gelohnt, "Anne Will" zu gucken.

Hat sich da etwas fundamental verschoben?

Eigentlich ist die Talkshow ja eher eine Sendung für Themen von gestern oder vorgestern, für altbekannte Fragen, die von altbekannten Gesichtern mit zumeist altbekannten Antworten angegangen werden. Nur manchmal gelingt da ein Scoop, wenn die altbekannten Gesichter – etwa Alice Schwarzer - aus der Rolle fallen oder aus der Reserve gelockt werden. Am Sonntag war es anders. Denn Wills Redaktion formulierte eine Frage, die rückblickend zwar auch als Überschrift für die erste Hälfte des Jahres 2011 dienen kann, gleichzeitig aber ein Phänomen zu greifen, das uns auch in Zukunft stärker beschäftigen wird. "Die Blender-Republik – wie weit kommt frech?", frage Will. Von zu Guttenberg bis Koch-Mehrin, lautete das Sendungsthema etwas freier interpretiert: Sind wir eine Republik der Blender? Wie stark bestimmt der Schein – und das Streben danach – unsere politische und soziale Wirklichkeit? Und was hat sich im Verhältnis von Schein und Sein in der Zeit des Internets geändert? Ist da etwas Neues entstanden?

Es ist genau die Neuerung im Verhältnis von Schein und Sein, die der "Couch-Gast" und spätere Diskussionsteilnehmer Harksen so treffend beschrieb: An der Lust, zu betrügen, zu täuschen und hochzustapeln, an der Lust, betrogen und getäuscht zu werden, daran hat sich nichts geändert. Die Blender gibt’s, wie immer. Neu ist nur, dass sie nicht mehr so leicht davonkommen wie früher. Denn, und das hat Harksen nicht gesagt, sondern das ergab sich aus der Diskussion, das Internet erfüllt mittlerweile eine grandiose Kontrollfunktion: Es ermöglicht im Prinzip allen Bürgern, Kontrolle auszuüben, sogar gemeinsam. Bei den Doktorarbeiten von Karl-Theodor zu Guttenberg und von Silvana Koch-Mehrin kontrollierten die "Schwärme" von Guttenplag Wiki und von VroniPlag Wiki die wissenschaftliche Qualität der Doktorarbeiten der Politiker. Die etablierten Medien griffen die Ergebnisse auf, dann die jeweiligen Universitäten. Früher arbeiteten die Medien für die Massen, heute die Massen bisweilen auch für die Medien. GuttenPlagWiki hat für diesen zutiefst demokratischen Dienst jüngst zurecht den Grimme Online Award verliehen bekommen.

"Für mich fällt eine zweite Mauer"

Bei Anne Will stellte diesen Aspekt am Sonntagabend besonders überzeugend die IT-Spezialistin Anke Domscheit-Berg heraus, vormals Microsoft-Managerin, nun Beraterin für Open Government Strategien – und zudem, das hat mit der Sache auch etwas zu tun, die Ehefrau von Daniel Domscheit-Berg, jenem früheren Wikileaks-Sprecher, der mittlerweile ein sehr kluges Buch über seine Zeit mit Julian Assange geschrieben hat. Das Internet habe die Möglichkeit geschafft, eine echte Demokratie, eine echte Volksherrschaft zu errichten, sagte Domscheidt-Berg. "Für mich fällt eine zweite Mauer, nämlich eine Mauer, hinter der man sich bisher verstecken konnte", sagte die aus Brandenburg stammende Frau.

Domscheit-Bergs These und ihren Argumenten hatten die anderen Teilnehmer wenig entgegenzusetzen. Vor allem Jorgo Chatzimarkakis nicht. Der smarte FDP-Europaabgeordnete hat derzeit das Problem, dass ihm, ebenfalls von VroniPlag, unterstellt wird, beim Verfassen seiner Doktorarbeit abgeschrieben und nicht richtig zitiert zu haben. Am 13. Juli will seine Alma Mater, die Universität Bonn, in der Sache eine Entscheidung bekannt geben. Es ist Chatzimarkakis hoch anzurechnen, dass er sich als Beschuldigter, als einer, der im selben Atemzug mit Guttenberg und Koch-Mehrin genannt wird, überhaupt in die Sendung getraut hat. Er musste damit rechnen, automatisch die Rolle des typischen Blenders zugedacht bekommen zu haben.

Dr. Oxford von der FDP

Und dieser Rolle ist der FDP-Mann auch nicht entkommen. Seine akademischen Ausflüchte waren fadenscheinig und zum Teil unsinnig. An der sehr, sehr renommierten britischen Universität Oxford zitiere man so, wie er das gemacht habe, ließ er etwa wissen. Und: Eine Zitierschwäche sei nur einer von mehreren Faktoren, die in die Bewertung einer Doktorarbeit einflössen. Deutlich ließ er durchblicken, dass er an seinem Mandat vorerst weiter festhalten wolle, selbst wenn die Universität ihm den Titel entziehe. Auch das erweckt keinen Eindruck von einem verantwortungsvollen Volksvertreter. Und mit dem Argument, im "Guttenbergzeitalter" komme jeder Verdacht schon einer Schuldsprechung gleich, die Anonymität der Internetjäger sei ein Problem, verrannte sich Chatzimarkakis dann endgültig. Es entstehe eine "Tyrannis, eine Herrschaft ohne Legitimation", behauptete der Europaabgeordnete. Domscheit-Berg konterte souverän, dass das Aufgreifen von Whistleblowing, von anonym gegebenen Hinweisen, zu fast jedem Zeitpunkt wichtiger Bestandteil der Arbeit von Medien war. Der FDP-Politiker musste sich nachfolgend korrigieren.

Fast schon bewegend war, was Chatzimarkakis zu seiner Motivation sagte, überhaupt auf Teufel komm' raus eine Doktorarbeit schreiben zu wollen. Mit seinem griechischen Vater und seinem griechischen Namen habe ihm das zu einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz verholfen, sagte er. Seinem deutschen Großvater sei die Arbeit und der Abschluss sogar so wichtig gewesen, dass er ihm die Doktorarbeit bei dessen Beerdigung mit ins Grab gelegt habe. Es war dies eine interessante, sehr persönliche Antwort auf die Frage: Warum musste das denn sein, obwohl Du so erfolgreich warst? Hier würde man die Antworten von zu Guttenberg und von Koch-Mehrin sehr gerne hören.

Und so erreichte Anne Will, vor allem Dank der Gäste Domscheit-Berg, Chatzimarkakis und Harksen etwas Außergewöhnliches: Sie war unterhaltsam, erkenntnisreich und personalisiert - ein mutmaßlicher Blender saß im Studio. Für so einen Sonntagabend nach einem "Tatort" aus dem vergangenen Jahr war das schon ziemlich viel.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(