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Bernd Althusmann - ein Plagiator?: Presseschau zum Vorwurf gegen den Kultusminister

Die Plagiatsvorwürfe gegen Politiker mehren sich, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Niedersachsen Kultusminister Bernd Althusmann ist das jüngste Opfer solcher Anschuldigungen. Er soll ebenfalls bei seiner Doktorarbeit plagiert haben.

Nach Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis muss sich jetzt auch Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann gegen Plagiatsvowürfe zur Wehr setzen. Hier ein Überblick der Meinungen in der deutschen Presselandschaft zum neusten Plagiatsgerücht.

"Braunschweiger Zeitung":

Einiges spricht dafür, dass Althusmann am Ende der nötigen Überprüfung nicht als Fälscher, sondern nur als mediokrer Wissenschaftler da steht. Der Fall stellt in jedem Falle erneut die Frage nach dem Qualitätsmanagement der Universitäten. Akademischer Murks sollte im Promotionsverfahren zu Tage treten! Dass jede Universität, sogar jede Fakultät ihre eigenen Bewertungssysteme hat, erleichtert die Absicherung gegen Betrug und schlechte Leistung nicht. An diesem Missstand hat der Wert der Promotion bereits schweren Schaden genommen.

"Hannoversche Allgemeine Zeitung":

Was wird aus Bernd Althusmann? Kann einer, der mit dem Vorwurf leben muss, in seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, Kultusminister bleiben? Ein Minister für Verkehr hätte es leichter.. Aber wie ist es bei einem Kultusminister, zu dessen Job es auch gehört, allen ihm Unterworfenen das Abschreiben streng zu untersagen, es gar zu bestrafen? Wäre ein solcher Minister nicht, wo er geht und steht, Witzeleien ausgesetzt? Im öffentlichen Leben herrscht oft eine Gnadenlosigkeit, die man zwar bedauern, aber nicht ignorieren darf. Margot Käßmann zog diese Gnadenlosigkeit in Betracht, als sie entschied, ihr Bischofsamt aufzugeben, um dessen Autorität nicht unterhöhlen zu lassen.

"Neue Osnabrücker Zeitung":

Der Fall hat wohl eine andere Dimension als zuvor bei Guttenberg und Koch-Mehrin. Aber es ist schon peinlich genug für einen Kultusminister, erst recht für einen KMK-Präsidenten, dass er "handwerkliche Fehler" beim Zitieren zugeben muss. Einmal mehr stellt sich die Frage, ob Politiker sich in ihrer Prestigesucht mit der Jagd nach schmückenden Titeln nicht überheben. "Nebenbei" eine fundierte Doktorarbeit zu schreiben, ist eine enorme Herausforderung. Unkorrektheiten können da Karrieren knicken. Vielleicht auch die von Althusmann.

"Landeszeitung Lüneburg":

Politikermoral und Doktorwürde scheinen nicht für dauerhafte Koalitionen geschaffen zu sein. Denn schon wackelt der nächste Doktorhut. Fegt die Universität Potsdam Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann den Doktorhut vom Kopf, sollte sie dabei den Standards wieder zur Gültigkeit zu verhelfen, die in der Wissenschaft allzu oft unterlaufen werden -- auch von Politikern. Von Politikern reines Erkenntnisstreben zu erwarten, überfordert sie offensichtlich. Erwarten darf man, dass sie Verantwortung übernehmen -- zumindest für eigene Fehler. Bernd Althusmann ist als Präsident der Kultusministerkonferenz der Sicherung von Qualitätsstandards verpflichtet. Nimmt er seine Vorbildfunktion ernst, lässt er seinen Doktortitel und den Vorsitz bei den Kultusministern ruhen, bis seine Arbeit überprüft worden ist.

hw/DPA / DPA