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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Zum Scheitern verurteilt: Gabriel als Kanzlerkandidat

Gabriel tritt 2017 gegen Merkel an. Was "Bild" meldet, ist keine Überraschung. Dem SPD-Chef bleibt gar nichts anderes übrig. Es will sich sonst keiner die Klatsche abholen.

Von Andreas Hoidn-Borchers

SPD-Chef Sigmar Gabriel wird wohl 2017 gegen Angela Merkel um das Kanzleramt kämpfen - nicht weil er es will, sondern weil es keine Alternative gibt

SPD-Chef Sigmar Gabriel wird wohl 2017 gegen Angela Merkel um das Kanzleramt kämpfen - nicht weil er es will, sondern weil es keine Alternative gibt

Ja, Hammer! Da hat die "Bild" aber mal ne echte, exklusive, die Welt (oder war's das Zwerchfell?) erschütternde Meldung aus den finsteren Nachrichtengrüften des Berliner Axel-Springer-Hauses an die Oberfläche und vor die Füße des daran nun gerade wirklich höchst desinteressierten Publikums geschaufelt: "Gabriel tritt gegen Merkel an". Nicht morgen übrigens. Auch nicht nächstes Jahr. Sondern im Herbst 2017. Wow. Und in Goslar platzt 'ne Mettwurst.

Wer sollte denn sonst antreten?

Belege können die Kollegen für ihre sehr eingeschränkt gewagte These zwar nicht präsentieren - jedenfalls nicht in dem üblichen Sinne, dass sie eine Quelle dafür nennen würden, am besten sogar die beste: Den mutmaßlichen Kandidaten selbst. Doch das braucht es auch gar nicht. Manchmal reicht der gesunde Menschenverstand. Oder Grundkenntnisse in der mathematischen Beweisführungsmethode der Deduktion. Weniger kompliziert ausgedrückt: Ja, wer denn anderes als Gabriel selbst soll denn beim nächsten Mal antreten als SPD-Kanzlerkandidat? (Und wer jetzt bei dem Begriff gluckst, soll sich in die Ecke trollen und schämen; wir reden hier nicht von der FDP). Das ist ja Gabriels Dilemma. Der SPD-Chef ist im nächsten Wahlkampf als Gegner Merkels, um mal deren abgenutzte Lieblingsfloskel zu verwenden, alternativlos.

Früher - dieser kleine Exkurs in etwas bessere Tage für die Sozialdemokraten muss erlaubt sein - früher haben sich zuweilen ein paar machthungrige Kerle regelrecht darum gerissen, die Partei in den Wahlkampf zu führen und Kanzler zu werden. Scharping und Schröder. Schröder und Lafontaine. Da hatte die SPD aber auch Umfragewerte oberhalb der Grenze, ab der es für eine Volkspartei peinlich (und auch ein bisschen gefährlich) wird. Das waren jene Zeiten, als die präpotentesten Genossen am Zaun des Kanzleramtes rüttelten. Heute schlagen sich die möglichen Kandidaten lieber rechtzeitig in die Büsche und erzählen, warum es in Düsseldorf am Rhein so schön ist oder so viel reizvoller, die Olympischen Spiele in Hamburg zu eröffnen. Man kann sagen, was man will: Zu lachen hat man jedenfalls immer was mit der SPD.

Beste Wahl im Ausschlussverfahren

Nein, da haben die "Bild"-Enthüller mit ihrer Nicht-News schon recht: Sigmar Gabriel wird, wenn ihm nicht noch der Himmel auf den Kopf fällt oder irgendwo ein bislang unentdeckt gebliebenes rotes Wunderkind auftaucht, im nächsten Wahlkampf den Kanzlerkandidaten geben. Nicht, weil er das unbedingt wollte. Sondern schlicht, weil er muss. Diesmal gibt es keinen Steinbrück, der sich die Bürde auflasten ließe. Nicht mal sein alter Kumpel Martin Schulz. Diesmal ist Sigmar Gabriel auf sich zurückgeworfen. Würde er kneifen, könnte er auch gleich den Parteivorsitz abgeben. Er selbst hat mal das Kriterium aufgestellt, Kandidat solle derjenige werden, mit dem die SPD die besten Chancen habe. Vielleicht ist er das inzwischen sogar geworden, im Ausschlussverfahren. Als Wahlkämpfer ist er in der SPD jedenfalls unübertroffen. Und noch haben die Wähler ja ein wenig Zeit, sich ein genaueres Bild von den Talenten, der Seriosität und den Zielen des Mannes zu machen, der als VIZE-Kanzler eine deutlich bessere Figur abgibt, als viele ihm zugetraut hätten. Es liegt zumindest nicht an ihm allein, dass die SPD wie angeteert bei 25 Prozent stehen bleibt.

Zum Ende deshalb ein kleines Gedankenspiel: Würde die SPD eigentlich erfolgreicher abschneiden, wenn sie mit Angela Merkel anträte? Man muss gar nicht lange darüber rumgrübeln, es ist auch völlig egal, zu welchem Ergebnis man gelangt - denn beide möglichen Antworten sind für die Sozialdemokraten nur eins: niederschmetternd. In diesem Sinne: Viel Erfolg und kämpfen Sie schön, Herr Spitzenkandidat!

Andreas Hoidn-Borchers weiß aus langer Erfahrung, dass die SPD ihre guten Leute durchaus verehrt - aber erst, nachdem sie ihre Ämter verloren haben. Sie können ihm auf Twitter unter @ahborchers folgen.