Ski-Unfall "Geisterfahrer"-Vorwürfe gegen Althaus


Der Ski-Unfall von Dieter Althaus, der für eine vierfache Mutter tödlich endete, hat für den thüringischen Ministerpräsidenten möglicherweise auch juristische Folgen: Medienberichten zufolge befand sich Althaus "eindeutig" auf der falschen Piste, wäre somit als "Geisterfahrer" unterwegs gewesen.

Der genaue Unfallhergang ist noch ungeklärt. Dennoch werden einige Tage nach dem Ski-Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten, den eine vierfache Mutter mit ihrem Leben bezahlte, erste Anschuldigungen gegen Dieter Althaus laut.

Fest steht bis dato nur, dass Althaus mit der slowakischen Urlauberin Beata C. bei einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h an einer breiten Pistenkreuzung zusammenstieß. Die 41-Jährige starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus, Althaus wurde mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma in die Klinik gebracht und verlor noch auf dem Weg das Bewusstsein.

Bereits kurz nach dem Unfall nahm die österreichische Justiz Ermittlungen gegen Althaus auf. Nach Aussage des zuständigen Staatsanwalts Walter Plöbst sei routinemäßig ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden. Allerdings haben sich die Ermittler bislang nicht festgelegt, wer Schuld am Unfall hat.

Einige Medien gehen da weiter. Der "Spiegel" schreibt in seiner aktuellen Ausgabe: "Dass die Slowakin den Unfall verursacht hat, scheint eher unwahrscheinlich." Das Blatt beruft sich bei dieser Einschätzung auf die genaue Lage der Unglückstelle. Wie auch ein offizielles Polizeifoto zeigt, passierte der Unfall an einer großen und gut einsehbaren Zusammenführung zweier Pisten. Althaus fuhr die mittelschwere rote Strecke, die Slowakin war auf der leichten blauen Piste unterwegs. Beide Strecken sind zusätzlich auf ein paar Metern durch ein Fanggitter voneinander getrennt. "Dass das Unglück oberhalb dieser Absperrung passierte, eindeutig auf der blauen Piste, ist eines der Rätsel, mit denen sich die Staatsanwaltschaft beschäftigen muss", schreibt der "Spiegel".

Als mögliche Erklärungen gelten, dass Althaus orientierungslos gewesen sein könnte oder dass er als "Geisterfahrer" bewusst bergauf auf die blaue Piste fuhr, möglicherweise - so mutmaßt der "Tagesspiegel" - um sich das kräftezehrende Abbremsen zu erleichtern.

Die "Bild"-Zeitung scheint den gleichen Verdacht zu hegen. Das Blatt fragte Siegmund Schnabl, Leiter der Alpinpolizei, ob der CDU-Politiker bergauf fahren musste, um an die Unfallstelle zu gelangen. Die Antwort laut "Bild": "Ja, da geht's bergauf. Um ins Tal zu kommen, hätte er in die andere Richtung - nach rechts - fahren müssen.

Für den "Spiegel" steht jedenfalls fest: "Äußere Umstände taugen als Erklärung kaum. Die Sicht war gut, der Schnee griffig, und überhaupt gilt die Riesneralm als eines der sichersten Skigebiete der Alpen." Auch sonst resultierten Skiunfälle in der Regel aus einem Fahrfehler oder einer Unachtsamkeit.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die Ärzte über Althaus' Gesundheits-Zustand sagen, und ob er sich an den Unfall erinnern kann.

Bislang hat Althaus nach Auskunft seiner Ärzte vom Montagvormittag "keine Erinnerung an das Unfallgeschehen". Er wisse weder, was kurz vor, noch was nach dem Unfall geschehen sei. Nach seiner Unfallgegnerin habe er sich noch nicht erkundigt. Die Ärzte wollen den 50-Jährigen derzeit keinen massiven Belastungen aussetzen, sondern ihn langsam und vorsichtig in die Wirklichkeit zurückholen.

Erster Zeuge meldet sich

Althaus' Gesundheitszustand habe sich positiv entwickelt, so das Ärzteteam. Er habe seine Orientierung zwar noch nicht voll wiedergefunden und liege noch auf der Intensivstation, sei aber ansprechbar und habe keine Schmerzen. Die Ärzte seien optimistisch, dass der Ministerpräsident keine relevanten bleibenden Schäden zurückbehalten werde. Es werde bereits über eine Verlegung in die Universitätsklinik Jena beraten, einen Zeitpunkt gebe es dafür aber noch nicht.

Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft wird das alles nicht leichter machen. Allerdings berichtete die Behörde am Montag, dass es nun doch einen Zeugen gebe, der den Skiunfall beobachtet hat. "Ein Skifahrer hat sich zwei Tage nach dem Unglück bei der Polizei gemeldet. Er wurde bereits befragt", sagte Staatsanwalt Plöbst.

Ferner habe die Obduktion der toten Slowakin ergeben, dass sie an einer massiven Schädelverletzung starb. Die Gutachten der Sachverständigen, die den Unfallhergang klären sollen, werden derzeit erstellt. Ob sie auch die Schuldfrage klären können, wird erst in etwa vier Wochen feststehen.

chs

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