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Möglicher Parteichef : Walter-Borjans will nicht nur Scholz nicht als Kanzlerkandidaten ...

Alles neu macht der Norbert. Oder würde Norbert Walter-Borjans tun, wenn er zum SPD-Chef gewählt würde. Der Kandidat für den Parteivorsitz schlägt vor, dass die Sozialdemokraten künftig keinen Kanzlerkandidaten mehr aufstellen - wie FDP oder Grüne.

SPD Vorsitz Kandidaten Walter-Borjans

Die Kandidatenpaare um den SPD-Vorsitz Gleywitz/Scholz und Olaf Scholz (l.) und Esken/Walter-Borjans

DPA

Die SPD sollte angesichts ihrer aktuellen Schwäche nach Ansicht des Vorsitzkandidaten Norbert Walter-Borjans nicht mit einem eigenen Kanzlerkandidaten in die nächste Bundestagswahl gehen. Er glaube nicht, dass die Partei derzeit an der Stelle wäre, "einen Kanzlerkandidaten aufzustellen", sagte Walter-Borjans dem "Spiegel". Stattdessen wolle er "erst mal dafür werben, dass wir einen Spitzenkandidaten aufstellen". Die SPD kommt in Umfragen zur Bundestagswahl derzeit auf 13 bis 16 Prozent

Kleine Parteien verzichten auf Kanzlerkandidaten

Hintergrund seiner Äußerung war die Frage, ob er sich eine Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz oder Kevin Kühnert (Juso-Chef) vorstellen könne. Weder noch, so Walter-Borjans in der Diskussionsrunde mit seiner Co-Chef-Kandidatin Saskia Esken und dem Konkurrenz-Paar Olaf Scholz und Klara Geywitz. Er glaube auch nicht, dass unter ihm als Parteichef Scholz Chancen auf die Kanzlerkandidatur hätte, sollte die Partei am Ende doch eine solche Kandidatur vergeben. "Ich würde zumindest sagen, dass diese Partei, anders als viele glauben, über eine Menge sehr qualifizierter Köpfe verfügt, über die man dann mal gemeinsam reden müsste", sagte der frühere NRW-Finanzminister. 

Video: Rennen um SPD-Vorsitz offen

In der Vergangenheit gehörte es zum Selbstverständnis der Sozialdemokraten, mit einer offiziellen Kanzlerkandidatur ebenso wie die Union den Anspruch zu untermauern, den Regierungschef zu stellen. Bislang kleinere Parteien wie Grüne, FDP oder Linke treten hingegen traditionell nur mit Spitzenkandidaten an.

Scholz ohne Chance unter Borjans

Es gehe darum, wie man eine Neuausrichtung der SPD "auch personell glaubwürdig darstellen" könne, so Walter-Borjans. Auf seine eigenen Ambitionen angesprochen, sagte er, es müsse "nicht zwingend" einer der Vorsitzenden als Nummer eins im nächsten Wahlkampf antreten, aber die künftigen Parteichefs müssten "ein klares Wort mitreden können". Die Entscheidung dürfe "nicht an den Vorsitzenden vorbei" laufen.

Die SPD-Basis stimmt vom 19. bis zum 29. November in einer Stichwahl darüber ab, welches der beiden Bewerberduos den Vorsitz übernehmen soll. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung ist rechtlich nicht bindend. Formal wird die künftige Parteispitze auf dem SPD-Parteitag vom 6. bis 8. Dezember in Berlin bestimmt.

Quellen: "Spiegel", AFP