SPD-Kongress Hedgefonds sollen durchsichtiger werden


Mit Hedgefonds lässt sich viel Geld verdienen. Auch, weil die Investoren kaum reguliert werden. Nach Ansicht von Gerhard Schröder soll es damit vorbei sein. Zumindest in Deutschland soll diese Anlageform stärker kontrolliert werden.

Bundeskanzler Gerhard Schröder will den Einfluss der hoch spekulativen und extrem gewinnorientierten Hedgefonds auf den Wirtschaftsstandort Deutschland zurückdrängen. Auf einem SPD-Kongress "Soziale Marktwirtschaft" am Montag kündigte er dazu eine "wirkungsvolle Aufsicht und eine deutlich verbesserte Transparenz" dieser Investoren an.

Hedgefonds sollen nach dem Willen Schröders gezwungen werden, ihre Absichten - nicht nur national, sondern weltweit - früher und deutlicher zu offenbaren als dies momentan der Fall ist. Erklärtes Ziel ist die Unterbindung von Strategien, die Risiken für das Wirtschaftsleben bergen und lediglich auf kurzfristigen Profit abzielen. Das Vorgehen der Hedgefonds gilt als äußerst aggressiv. Ihnen wird vorgeworfen, sich bei Firmen einzukaufen, diese anschließend auch auf Kosten von Arbeitsplätzen "auszuschlachten", Gewinn einzustreichen und sich dann zurückziehen. SPD-Chef Franz Müntefering hatte Hedgefonds deshalb mit Heuschrecken verglichen.

An etlichen deutschen Topkonzernen beteiligt

Hedgefonds sind inzwischen an etlichen deutschen Topkonzernen beteiligt. Ausländische Investoren blieben in der Bundesrepublik hoch willkommen, sagte Schröder laut Redemanuskript. "Entscheidend ist, dass sie sich an die Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft halten." Der Kanzler plant, die Eigentümerstrukturen börsennotierter Unternehmen für die Öffentlichkeit durchsichtiger zu machen. "Wir werden daher zusätzliche Meldeschwellen beim Erwerb wesentlicher Beteiligungen einführen." Der Kanzler sieht in seinem Vorstoß einen Beitrag, das Modell der sozialen Marktwirtschaft zu bewahren.

Um für mehr Transparenz auf dem deutschen Hedge-Fonds-Markte zu sorgen, "werden wir die Einführung von Meldepflichten bei der Aktienleihe - wie sie bereits in den USA und in Großbritannien existieren – prüfen". Schröder will nach eigenem Bekunden auch international initiativ werden: Auf dem nächsten G-8-Gipfel werde er sich dafür aussprechen, weltweit einheitliche Mindeststandards für Hedgefonds zu definieren. Ziel sei zudem, diese Form der Kapitalanlage in die EU-Richtline für Investmentfonds einzubeziehen.

Nach einer Umfrage der "Financial Times Deutschland" besitzen Hedgefonds inzwischen Anteile an mindestens 16 der 30 DAX-Unternehmen. Sieben weitere Konzerne halten eine Beteiligung für möglich, die restlichen sieben wollten keine Angaben dazu machen. Die DAX-Unternehmen registrierten der Zeitung zufolge, dass die teils sehr aggressiv auftretenden Anleger Einfluss nehmen wollten. Zwar betrachteten die Firmen Hedgefonds vielfach als Investoren, die bohrende Fragen stellten. Doch gebe es auch Kritik. "Wenn etwas los sein könnte, rufen die hier an und machen uns die Hölle heiß", heiße es bei einem DAX-Konzern. "Die fragen zehn Mal mehr als andere Investoren", wird ein Branchenkenner zitiert.

Stimmrecht entziehen

Schröders Vorschläge beruhen auf den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe der Bundesministerien für Wirtschaft, Finanzen und Justiz. Die Fachleute wandten sich gegen Forderungen aus der SPD, Hedgefonds das Stimmrecht auf Unternehmensentscheidungen zu entziehen. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hatte erklärt, diese Anlageform werde "nicht abgeschafft".

Spektakulär agierte der britische Hedgefonds TCI. Dieser hatte die geplante Übernahme der London Stock Exchange durch die Deutsche Börse verhindert und das Frankfurter Management zu Fall gebracht. Hedgefonds werden weltweit so gut wie gar nicht reguliert. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das Vorschriften für diese Anlageform erlassen hat. In der Bundesrepublik sind die Fonds seit 2004 zugelassen.

Thomas Schmoll/AP AP

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