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Stasi-Akte Bisky: Die Sache mit "IM Bienert"

Linkspartei-Chef Lothar Bisky ist bereit, sich erneut auf eine angebliche Spitzel-Tätigkeit prüfen zu lassen. In der berüchtigten "Rosenholz"-Datei wurde er jedenfalls unter Decknamen geführt.

Linkspartei-Chef Lothar Bisky will sich ein weiteres Mal von der Stasi-Unterlagen-Behörde überprüfen lassen, um Vorwürfe auszuräumen, er habe in der DDR als Spitzel gearbeitet. Die Bundesbehörde hat in der Vergangenheit Material gefunden, in dem Gegner Biskys Belege für eine Stasi-Verstrickung des heute 64- Jährigen sehen. 1995 informierte die Bundesbehörde den brandenburgischen Landtag und die damalige PDS darüber, dass Bisky von der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit laut Aktenlage als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) geführt worden sei.

Zwei Karteikarten in der "Rosenholz"-Datei

Nach Rückgabe der "Rosenholz"-Datei aus den USA entdeckten die Rechercheure der Behörde zwei IM-Karteikarten. Demzufolge war Bisky für die Jahre 1966 bis 1970 unter dem Decknamen "Bienert" als IM und seit 1987 als Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit (GMS) unter dem Tarnnamen "Klaus Heine" bei der DDR-Auslandsspionage registriert. Ein GMS entspricht nach Behördenangaben dem Status eines IM.

Mikrofilm mit bis zu 20.000 IMs

Zudem gibt es fünf Einträge im elektronischen Posteingangsbuch "SIRA" der HVA über Materialeingänge, die die Bundesbehörde Biskys Decknamen und Registriernummern zuordnet. Die eingegangenen Berichte liegen der Behörde nicht vor. Die HVA hatte ihre Aktenbestände während der Wendezeit 1989/1990 vernichtet. Die so genannte Rosenholz-Datei besteht aus Kopien von mikroverfilmten Dateikarten der HVA. Sie enthalten die Namen von bis zu 20.000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM), die in 40 Jahren in der früheren Bundesrepublik und in der DDR geführt wurden. Die Datei war nach dem Ende der DDR in die Hände des US-Geheimdienstes CIA geraten und 1993 an Deutschland zurück gegeben worden.

Bisky bestreitet Spitzeltätigkeit

Bisky hat eine Spitzeltätigkeit stets bestritten. Nach seinen Worten hatte er aber in seiner Zeit als Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg (1986-1990) dienstlich mit der DDR-Staatssicherheit zu tun. Als Medienwissenschaftler konnte Bisky zu DDR-Zeiten auch an Veranstaltungen im westlichen Ausland teilnehmen. Hinterher habe er jedes Mal seinen Vorgesetzten Bericht erstatten müssen.

DPA / DPA