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Interview zur Coronavirus-Pandemie: "So viele Leben retten wie möglich" – Bundespräsident Steinmeier fordert Solidarität

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appelliert in der Coronavirus-Krise an die Bürgerinnen und Bürger, ihren Alltag zu verändern. Es gehe um den Schutz der Alten und Kranken, so das Staatsoberhaupt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Coronavirus-Krise

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zur Coronavirus-Krise (Archivbild)

DPA

Die Coronavirus-Pandemie legt das öffentliche Leben in der Bundesrepublik teilweise lahm – Deutschland befindet sich möglicherweise in der schwersten Krise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Rund 5000 Infektionen mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 meldete das Robert-Koch-Institut bis zum Sonntagnachmittag, zwölf Menschen sind bereits an dessen Folgen gestorben.

Nun meldet sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erstmals in der Krise ausführlich in einem Interview zu Wort und appelliert an den Zusammenhalt im Land. Seine Botschaft: "Wir werden das Virus besiegen" – doch dafür müssten wir alle etwas tun. "Drastische und sofortige Einschnitte in unser tägliches Leben, unseren Berufsalltag sind dafür notwendig, auf alte Gewohnheiten wie Umarmungen, den Begrüßungskuss, das Händeschütteln müssen wir eine Zeit lang verzichten", sagte er im Schloss Bellevue dem Nachrichtenportal "T-Online". "Damit wir so viele Leben retten wie irgend möglich."

Steinmeier sagt Termine wegen Coronavirus ab

Dies Maßnahmen dienten – wie auch Virologen immer wieder betonen – vor allem dem Schutz älterer und schwächerer Mitbürger. Damit diese in den Krankenhäuser behandelt werden könnten, sei es nötig die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. "Unsere Selbstbeschränkung heute kann morgen Leben retten", so das Staatsoberhaupt.

Steinmeier zeigt sich überzeugt, dass die Politik derzeit die richtigen Maßnahmen ergreift. Bundes- und Landesregierungen handelten "entschlossen und gezielt". Es werde "konsequent umgesetzt", was einer Verlangsamung der Virusausbreitung dient.

Zugleich mahnt Steinmeier Solidarität innerhalb Europas an: "Nicht alle europäischen Partner verfügen über die Mittel und Möglichkeiten, die wir haben." Wenn es gemeinsam gelinge, das Virus zu besiegen, "dann schöpfen wir vielleicht sogar neue Kraft aus der Erfahrung, dass uns Zusammenhalt stark macht – im eigenen Land ebenso wie in Europa", blickt der Bundespräsident bereits in die Zeit nach der Pandemie.

Eine weitere Herausforderung sieht Steinmeier in den wirtschaftlichen Folgen der Virusausbreitung. "Seine Forderungen: "Die Corona-Krise darf keine Existenzkrise für Unternehmen werden" und dürfe "nicht auch noch den Arbeitsmarkt infizieren." Ihm sei wichtig, "dass wir auch den kleineren Gewerbetreibenden und Freiberuflern, den Dienstleistern und Kulturschaffenden helfen, die nächsten Monate zu überstehen". Die Bundesregierung habe "weitreichende Beschlüsse" gefasst, um die Wirtschaft über "diesen dramatischen Einschnitt hinwegzubringen", stellt der Bundespräsident fest.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Steinmeier insbesondere dem medizinischen Personal in Deutschland seinen Respekt gezollt: "Mein besonderer Dank geht an die hunderttausenden Krankenpflegerinnen und -pfleger, Ärztinnen und Ärzte. Sie arbeiten in diesen Tagen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Sie schützen uns, unsere Gesellschaft, unser Land", hieß es in einer Erklärung.

Auch der höchste Mann im Staat selbst wird in nächster Zeit kürzertreten. "Aufgrund der aktuellen Lage nimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis auf Weiteres keine auswärtigen Termine wahr", teilt das Bundespräsidialamt mit. Er beschränke sich auf interne Termine, Gespräche und Telefonkonferenzen.

Quellen: "T-Online", Robert-Koch-Institut, Bundespräsidialamt (1)Bundespräsidialamt (2)

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