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Terror-Haft: Hammadi überraschend entlassen

Hisbollah-Mitglied Hammadi wurde nach fast 19 Jahren aus deutscher Haft entlassen. Dies sei ein Vorgang, der "tagtäglich vorkomme", so die Behörde. Einen Zusammenhang zur Freilassung Susanne Osthoffs bestritt die Bundesregierung bislang.

Der Libanese Mohammed Ali Hammadi war wegen Beteiligung an einer Flugzeugentführung und an der Ermordung eines Flugpassagiers vom Landgericht Frankfurt im Mai 1989 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seit Januar 1987 war er in Untersuchungshaft. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, saß der 41 Jahre alte Hamadi zuletzt in einem Gefängnis in Nordrhein-Westfalen.

Die Bundesregierung wollte sich zu den Umständen der Freilassung nicht äußern. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Jäger, wies Spekulationen zurück, dass es einen Zusammenhang mit der Freilassung Osthoffs im Irak geben könnte. "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen beiden Fällen", sagte er. Auch die Frankfurter Justizsprecherin Möller-Scheu betonte, das zeitliche Zusammentreffen beider Vorgänge sei reiner Zufall.

USA fordern keine Auslieferung

Dem Bundesjustizministerium lag nach eigenen Angaben kein Auslieferungsersuchen der USA vor. Hammadi sei zu lebenslanger Haft unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt worden, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Das bedeute aber nicht zwingend, dass der Verurteilte ein ganzes Leben in Haft verbringen müsse. Das Gericht habe eine "Mindestverbüßungsdauer" festgesetzt, und Hamadi habe seine Strafe auf dieser Basis verbüßt. Dies sei ein Vorgang, der tagtäglich in der Justiz vorkomme und der vollkommen autonom der Justiz obliege, hieß es.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Doris Möller- Scheu, sagte, Hamadi habe unter anderem die Bewährungsauflage erhalten, einen festen Wohnsitz bei seinem Bruder im Libanon zu nehmen. Hamadi war seit acht Jahren nicht mehr in Hessen im Gefängnis. Nach Angaben des Landesjustizministeriums in Wiesbaden traf das Landgericht Kleve die Entscheidung über die Freilassung.

Mord, Geiselnahme und Eingriff in den Luftverkehr

Hammadi hatte im Juni 1985 mit einem Komplizen eine vor allem mit US-Amerikanern besetzte TWA-Maschine nach dem Start in Athen gekapert. Während der zweitägigen Entführung wurde der Passagier Robert Stethem an Bord der Maschine auf dem Flughafen Beirut erschossen. Als Folge der Geiselnahme wurden mehr als 700 schiitische Gefangene aus Lagern in Israel freigelassen. Die Entführer präsentierten sich noch einmal auf einer Pressekonferenz in Beirut und tauchten dann unter.

Hammadi wurde am 13. Januar 1987 auf dem Frankfurter Flughafen bei dem Versuch festgenommen, zwei Flaschen mit Flüssigsprengstoff einzuschmuggeln. Im Mai 1989 verurteilte ihn die Jugendkammer des Frankfurter Landgerichts nach zehnmonatigem Prozess unter anderem wegen gemeinschaftlichen Mordes, Geiselnahme und Eingriff in den Luftverkehr zur Höchststrafe. Nach Überzeugung des Gerichts gehörte er der radikalen schiitischen Organisation Hisbollah an.

Bruder Hamadis wegen Entführung verurteilt

Ein Bruder von Hamadi, Abbas Hamadi, war ein Jahr zuvor vom Landgericht Düsseldorf wegen der Entführung des Hoechst-Managers Rudolf Cordes im Libanon zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde 1993 aus dem Gefängnis entlassen.

AP/DPA / AP / DPA