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Theo Waigel zur Euro-Krise: "Es war ein Fehler, die Griechen reinzulassen"

... aber da Griechenland nun mal in der Eurozone ist, hilft nach Ansicht von Ex-Finanzminister Theo Waigel nur eins: handeln statt quatschen. Ein stern-Interview.

Herr Waigel, die Griechen reißen gerade den Euro in die Tiefe. Müssen wir die Griechen retten, um Ihre Lieblingswährung, den Euro zu retten?
Unsinn. Den Griechen geht es schlecht, nicht dem Euro. Es wird zu schnell vergessen, wie stabil uns diese Währung bisher durch alle Krisen geführt hat. Der Euro steht immer noch viel besser da als bei seinem Start. Das wird leider viel zu leicht vergessen. Der Kardinalfehler war, die Griechen überhaupt in die Euro-Zone hineinzulassen.

Nun kann man sie aber nicht mehr rausschmeißen.
Nur wenn sie freiwillig gehen würden, aber auch das wäre nicht billig.

Sie meinen: Wenn es hart auf hart kommt, ist sich jeder selbst der Nächste?
Ich meine, es wäre schon gut, nicht gleich in Panik zu verfallen. Die Bundesbank hat in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts große Beträge zur Verfügung gestellt, um andere Währungen zu stützen - bis zu 100 Milliarden D-Mark. Damals wurde gehandelt und nicht öffentlich debattiert.

Es wird zuviel über den Euro geredet?
Genau so ist es. Das Durcheinander - Hilfe nein, Hilfe vielleicht, Hilfe jetzt doch - hat dem Euro geschadet. Die Märkte reagieren auf so etwas extrem empfindlich.

Also sind die handelnden Akteure von heute auch nicht mehr das, was sie zu Ihren Zeiten einmal waren?
Man muss sich in einer Krise gut abstimmen und das, was man entschieden hat, muss man gut begründen. Dazu gehört übrigens auch, dass es hier um den Kern eines vereinigten Europas geht. Wenn Sie nämlich auf die reale Wirtschaftskraft von Griechenland schauen, dann sind die aktuellen Ausschläge auf den Finanzmärkten wirklich übertrieben. Griechenland trägt schließlich nur zu 2,6 Prozent zum Bruttosozialprodukt der EU bei.

Es gibt noch immer viele, die die D-Mark zurück haben wollen. Kommt sie wieder?
Ein kollektiver Rückfall in die nationalen Währungen wäre das Schlimmste, was passieren könnte - davon würde sich die deutsche Wirtschaft lange nicht erholen. Der Euro wird auch im nächsten Jahrzehnt bestehen.

Axel Vornbäumen / print
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