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Thierse fordert Entschuldigung vom Papst: Stellvertretend für "die Übeltäter in katholischen Einrichtungen"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat Papst Benedikt XVI. zu einer Entschuldigung bei den Opfern des Missbrauchsskandals aufgefordert.

Angesichts des Missbrauchskandals in der katholischen Kirche hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) Papst Benedikt XVI. zu einer Entschuldigung bei der Opfern aufgefordert. "Ich denke, es wäre angemessen, wenn der Papst für die Übeltäter in katholischen Einrichtungen in Deutschland ein öffentliches Wort des Bedauerns und der Bitte um Entschuldigung ausspricht", sagte Thierse am Freitag im rbb-Inforadio. Natürlich sei eine materielle Entschädigung der Opfer wichtig. Den Betroffenen würde es aber viel mehr Genugtuung verschaffen, wenn "wirklich aufgeklärt wird - und Konsequenzen gezogen werden".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wollte in der Mittagszeit mit Papst Benedikt XVI. im Vatikan zusammen. Das Treffen ist ein Routinebesuch, der durch den aktuellen Missbrauchskandal allerdings eine neue Tragweite bekommen hat. Aus Vatikankreisen in Rom verlautete, dass der Papst sich nicht öffentlich zu dem Thema äußern werde. Zollitsch wollte gegen 13.00 Uhr die Öffentlichkeit über das Treffen informieren. Der Vatikan hatte der deutschen katholischen Kirche zuletzt bescheinigt, "schnell und entschlossen" auf die Missbrauchsvorwürfe reagiert zu haben.

Laut einer Umfrage für den Fernsehsender N24 ist die große Mehrheit der Deutschen dagegen der Meinung, dass die Kirche nicht genug unternehme, um die Missbrauchsvorwürfe aufzuklären. In der am Freitag veröffentlichten Umfrage werfen 86 Prozent der Kirchenführung mangelnde Bereitschaft zur Aufklärung vor, nur zehn Prozent bescheinigen der Kirche ausreichendes Einschreiten. Der Missbrauchskandal schmälert demnach auch allgemein das Vertrauen der Menschen in die Bildungsarbeit der katholischen Kirche: 68 Prozent sehen diese nun kritischer, 28 Prozent vertrauen der katholischen Bildungs- und Jugendarbeit weiter uneingeschränkt, wie aus der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid hervorgeht.

AFP / AFP