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TV-Auftritt bei Günther Jauch: Steinbrück beklagt sich über "Misstrauen"

Peer Steinbrück kämpft sich aus der Defensive. Der künftige SPD-Kanzlerkandidat attackiert in der Talkshow von Günther Jauch seine Kritiker - und erlaubt sich einen kurzen Ausflug ins Private.

Die heftige Debatte über seine Vortragshonorare von mindestens 560.000 Euro hat den künftigen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück nach eigenen Worten überrascht. "Ich habe mich nach Gesetz und Recht verhalten und habe es nicht für möglich gehalten, dass darüber Misstrauen entstehen kann", sagte Steinbrück am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch".

Jetzt lerne er, dass Misstrauen vorhanden sei. Deshalb habe er einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer engagiert. "Ich lege gerne alle Daten offen. Ich werde auch gerne angeben, welches Durchschnittshonorar ich über ein Jahr bekommen habe." Den Vorwurf einer Nähe zur Bankenlobby nannte Steinbrück "absurd und dämlich".

Familie nicht begeistert von Kandidatur

Wie zuvor bereits Kanzlerin Angela Merkel kam auch der SPD-Kanzlerkandidat in den Genuss, eines 60-minütigen Solos bei Günther Jauch. Steinbrück nahm die Sendung zum Anlass, sich öffentlich bei SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles für einen despektierliche Aussage zu entschuldigen. "Der Nahles-Satz tut mir leid und ich entschuldige mich dafür", sagte Steinbrück. Das habe er der SPD-Generalsekretärin auch mitgeteilt. Steinbrück hatte in einem ZDF-Interview gesagt, ohne Nahles wäre sein Leben genauso reich wie heute. "Ich war da etwas begriffsstutzig und habe etwas zum Ausdruck gebracht, das ich nicht meinte", sagte Steinbrück.

Und noch etwas gab Steinbrück preis. Seine Familie ist nach seinen Worten "nicht sehr begeistert" über seine neue Rolle. "Weil sie sich natürlich die Frage stellen: Welche Auswirkungen hat das nicht nur auf mein Leben, was schon für sie wichtig wäre, sondern auch auf ihr Leben?", sagte Steinbrück.

Auf die Frage, ob man seine Familie auf Wahlkampfbühnen erleben werde, sagte Steinbrück: "Eben nicht. Und ich freue mich auch, dass wir nicht die Verhältnisse haben wie in den USA, wo plötzlich die Ehefrau eine flammende Rede auf ihren Mann halten muss." Auch glaube er, dass es nicht sehr glaubwürdig wäre, "wenn ich mich plötzlich nur zu Hunden und Kleinkindern runterbeuge".

Steinbrück fügte hinzu: "Ich möchte gern die Privatheit meiner Familie weiter schützen und ich möchte auch, dass das respektiert wird." In diesem Punkt wolle er sich Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Vorbild nehmen: "So wie Frau Merkel das macht mit ihrer Privatsphäre, würde ich das gerne kopieren."

In Sachen Nebeneinkünften unterstrich Steinbrück seinen Vorschlag vom Wochenende, alle Abgeordneten zur Veröffentlichung ihrer Zusatzeinkünfte "bis auf den letzten Cent" zu verpflichten. Damit ging er deutlich über die bisherigen Forderungen seiner Partei nach schärferen Transparenzregeln hinaus.

Union und FDP blieben bei ihrer Kritik an dem Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Wahl 2013 und zweifelten an seiner Glaubwürdigkeit. "Dass ausgerechnet Herr Steinbrück sich jetzt zum Transparenz-Helden aufschwingen möchte, hat schon eine besondere Komik", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die stellvertretende Parteivorsitzende Hannelore Kraft warf Steinbrücks Kritikern aus CDU und FDP "geheuchelte Empörung" vor. Diese sei "mehr als peinlich", sagte Kraft der "Süddeutschen Zeitung". Wer ihm unterstelle, er rede anderen nach dem Mund, kenne ihn nicht. "Die Angst vor dem SPD-Kandidaten muss wahrlich groß sein", erklärte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin.

Grüne werfen Steinbrück Nähe zum Kapital vor

Der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid sah in der Kritik der Union an Steinbrück "Sorge vor dem Machtverlust" nach der Bundestagwahl in knapp einem Jahr. "Die CDU muss schon mächtig Angst vor Peer Steinbrück haben, wenn sie ihn nun angreift", sagte Schmid der "Welt". Der baden-württembergische Finanzminister nahm Steinbrück gegen Kritik an seinen Nebentätigkeiten als Abgeordneter in Schutz. "Egal, ob Steinbrück vor einem SPD-Ortsverein oder vor den Vorständen der Deutschen Bank redet, argumentiert er identisch", sagte Schmid. "Hier von Käuflichkeit zu reden, ist lächerlich."

Grünen-Europapolitiker Sven Giegold warf Steinbrück eine zu große Nähe zum Kapital vor. Gegen einzelne Vorträge habe er nichts, sagte Giegold der "Berliner Zeitung". "Mir macht aber Angst, dass Steinbrück blind für die Demokratiegefahr dahinter ist". Durch die Einladungen finanzstarker Institutionen werde "ein Diskussionsraum zwischen Politik und Wirtschaft geschaffen", gegen den es kein Gegengewicht gebe. Giegold warf Steinbrück vor, er sei vielleicht kein Knecht" des Kapitals, aber als Finanzminister der großen Koalition habe er ihm "gut gedient".

kng/DPA / DPA