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Maybrit Illner Ärger um schnell verkürzten Genesenenstatus – Lauterbach: "Ich überrumpele niemanden"

Redebedarf bei Maybrit Illner - Karl Lauterbach
Muss sich erklären: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (li.) bei Maybrit Illner (li.) im Gespräch mit CDU-Politiker Torsten Frei
© Jule Roehr / ZDF
Konkrete Planung und nachvollziehbare Entscheidungen – auch nach zwei Jahren Pandemie unerfüllte Wünsche. So sieht es auch die Talk-Runde bei Maybrit Illner. Besonders der Genesenenstatus wirft Fragen auf.
Von Rebecca Baden

Rund zwei Jahre sind seit dem Beginn der Corona-Pandemie vergangen, und noch immer zeigen die Gäste bei Maybrit Illner: Wenn es um einheitliche Bekämpfungsmaßnahmen und Entscheidungen geht, herrscht in Deutschland in etwa so wenig Konsens wie im Winter 2020. Eines scheint sich inzwischen aber immer mehr abzuzeichnen: Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach wird die Luft allmählich dünn. 

Das lässt sich am Donnerstagabend vor allem an den Aussagen der weiteren Talkshow-Gäste ablesen. Ihre Standpunkte zur Test- und Impfstrategie der Bundesregierung breiteten aus:

Karl Lauterbach(SPD, Bundesgesundheitsminister)
Linda Teuteberg (FDP-Bundestagsabgeordnete)
Torsten Frei (Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion)
Carsten Watzl (Immunologe)
Frauke Rostalski (Rechtswissenschaftlerin, Mitglied des Ethikrates)

Karl Lauterbach: Antigen-Tests nicht kleinreden

Zunächst stellt die Moderatorin den Gesundheitsminister auf den Prüfstand. Weil bei den PCR-Tests so viele Kapazitäten fehlen, sollen die Bürgerinnen und Bürger wieder vermehrt auf Antigen-Tests zurückgreifen – etwa, um sich früher aus der Isolation zu begeben. "Vor einem halben Jahr waren diese Schnelltests nicht einmal gut genug, um sich für den Kneipenbesuch freizutesten", schießt Illner. Auch Lauterbach selbst hatte in der Vergangenheit erklärt, die Schnelltests würden nur 60 Prozent der Infektionen erkennen. 

Davon will er heute offenbar nichts mehr wissen. Man solle die Antigen-Tests nicht kleinreden, entgegnet der SPDler. Dass die Struktur für die PCR-Tests nicht ausgebaut sei, liege auch daran, dass man in der Vergangenheit ein anderes Testverfahren priorisiert habe. Allein, in der Runde mit den anderen Gästen – und im Angesicht der um sich peitschenden Omikron-Welle – hilft dem neuen Gesundheitsminister diese Erklärung wenig. 

Mit Genesenenstatus bringt Lauterbach alle gegen sich auf

Besonders der CDU-Politiker Thorsten Frei geht hart mit seinem ehemaligen GroKo-Kollegen ins Gericht. Omikron sei bereits Ende November von der Weltgesundheitsorganisation als besorgniserregende Mutation deklariert worden, so der erste parlamentarische Geschäftsführer der Union im Bundestag. Es sei erschreckend, dass die Ampel-Regierung noch am 10. Januar erklärt habe, die Testkapazitäten nicht ausweiten zu wollen. 

Dazu komme die überraschende Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate. Die Menschen seien überrumpelt worden, müssten sich nun wieder für die Arbeit testen lassen oder geplante Urlaube absagen, sagt Frei. "Das ist auch etwas, was ein Stück weit Vertrauen zerstört", urteilt er. Wenn in Deutschland plötzlich andere Regeln gelten als in allen anderen EU-Ländern, stelle sich die Frage der Nachvollziehbarkeit.

Gesundheitsminister Lauterbach zu Lauterbach zu neuen Corona-Beschlüssen

Drei-Monate-Regelung bleibt unverständlich

Auch die anderen Gäste scheinen von der neuen Drei-Monate-Regelung nicht komplett überzeugt. Lauterbach wirkt davon wenig beeindruckt: Als die Quarantänezeit verkürzt wurde, habe niemand eine Vorankündigung erwartet, so der Gesundheitsminister. Den Vorwurf, er habe die Bevölkerung mit dem verkürzten Genesenenstatus überrascht, will er nicht auf sich sitzen lassen.

"Ich überrumple niemanden", entgegnet er beinahe trotzig. "Das habe ich auch gar nicht nötig." Am Ende stellt allerdings sogar Moderatorin Illner fest: Mit seinen drei Monaten sitzt der Gesundheitsminister mittlerweile ziemlich einsam in der Runde. 

Teuteberg: Zu viele Kommunikationsfehler

Es kommt, wie es in den Corona-Talks fast immer kommt: Die Runde diskutiert über alles, was man hätte besser machen können, verteilt ein paar parteipolitische Spitzen – und vergisst dabei fast, konstruktive Lösungen für den weiteren Verlauf der Situation zu besprechen. 

Zumindest die FDP-Abgeordnete Linda Teuteberg will erkannt haben, dass in dieser Pandemie vor allem in der Kommunikation Fehler gemacht wurden. Teuteberg und andere Abgeordnete ihrer Fraktion haben unter Führung von Partei-Vize Wolfgang Kubicki einen Antrag gegen die allgemeine Impfpflicht in den Bundestag eingebracht. Omikron habe gezeigt, dass die Impfung alleine als Pandemie-Ende nicht funktioniere, erklärt die FDP-Politikerin den Gedanken dahinter.

Pragmatische Maßstäbe und Planbarkeit gefragt

Wenn die Regierung weiterhin auf Akzeptanz in der Bevölkerung hoffe, brauche diese pragmatische Maßstäbe und Planbarkeit, so Teuteberg. Sie fordert "eine kluge Teststrategie" und eine bessere Impfkampagne: “Wir haben vieles noch nicht ausgereizt.” Allein, wie die Regierung das anhand der fehlenden Kapazitäten umsetzen soll, wird in ihrem Vorschlag nicht klar. 

Auch über den Nutzen einer allgemeinen Impfpflicht wird sich die Gruppe bis zum Schluss der Sendung wenig überraschend nicht einig. Bis alle ihre jeweilige Position dargelegt haben, kündigt Illner unter Stress und fünf Minuten Verzug bereits die nächste Sendung an. So ist das eben manchmal, wenn zu viel diskutiert wird: Für die wichtigen Themen bleibt am Ende weder Zeit noch Energie.

dho

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