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Ulla Schmidt: Fröhlich, aber zäh

Erst galt sie als überfordert und schwach, dann überzeugte Ulla Schmidt ihre Kritiker als zähe und gewiefte Verhandlungsführerin, als es um die Gesundheitsreform ging. Dass sie aus dem Rheinland stammt, hilft ihr im täglichen Politikbetrieb.

Seit 2001 führt Ulla Schmidt das Gesundheitsministerium - als Nachfolgerin von Andrea Fischer (Grüne). Ein Jahr später erhielt sie die Zuständigkeit für Rente hinzu. Zusammen mit dem CSU-Experten Horst Seehofer handelte sie 2003 den Kompromiss zur Gesundheitsreform aus. Nun soll die SPD-Politikerin aus Aachen ihr Ministerium auch in einer großen Koalition weiter führen.

In ihrer Karriere erlebte die 56-jährige Rheinländerin zahlreiche Höhen und Tiefen. Als in diesem Jahr beispielsweise der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht so stark gesunken war, wie Schmidt es einst angekündigt hatte, forderten politische Kommentatoren wieder einmal ihren Rauswurf. Sie hielt dem Druck stand. Schmidt hat Erfahrung mit dem plötzlichen Taumel aus der Gunst der Wähler und auch ihres Kanzlers Gerhard Schröder.

Lange galt sie als schwach, überfordert und fachlich angreifbar. Doch diese Vorwürfe sind praktisch verstummt. 2003 zeigte sie es ihren Kritikern. Erst brachte die einstige Grundschullehrerin als unerwartet zähe und gewiefte Verhandlungsführerin mit der Union die Gesundheitsreform unter Dach und Fach. Dann lehrte sie ihren Kabinettskollegen Hans Eichel das Fürchten: Sie trotzte dem Finanzminister Einnahmen aus der Tabaksteuer für die Krankenkassen ab und stellte sich quer, als Eichel dem Rentensystem Steuergelder abknappsen wollte.

Äußerlich nimmt die geschiedene Mutter und Großmutter die Höhen und Tiefen ihrer öffentlichen Gunst gelassen hin. Ihr scheinbar immer fröhliches Rheinländertum, der Aachener Singsang, das Lächeln suggerieren ein dickes Fell, vielleicht auch professionellen Umgang mit Berufsnörglern.

AP / AP