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Und jetzt ... Django Asül: Das gallische Dorf ist eine Insel

Der xte EU-Krisengipfel brachte ihn mal wieder, den Durchbruch. Blöd nur, dass der schmollende Cameron Merkel die Jubelstimmung versaute.

Eine satirische Rückschau von Django Asül

Ja, es ist eine große Woche für Europa. Wie sehr sich die ganze Erde darüber freut, ist sogar klimatisch zu beobachten. Pünktlich nach dem Durchbruch auf dem EU-Gipfel setzte sogar in mittleren Lagen der Schneefall ein. Die EU hatte im Vorfeld auch ein grandioses Präludium organisiert: die Aufnahme Kroatiens in die EU. Dem sympathischen Balkanstaat mit den schönsten Stränden Europas kann diesbezüglich nur gratuliert werden. Denn die Aufnahmekriterien sind alles andere als leicht zu stemmen. Zur Erinnerung: Die zuletzt aufgenommenen Staaten sind Rumänien und Bulgarien. Beide haben sich das redlich verdient durch ein sehr transparentes Justizsystem und eine höchst effiziente Bürokratie. Zudem leisten viele Bürger dieser Länder auch einen erfreulichen Beitrag zur Bereicherung des deutschen Nachtlebens. Bis Kroatien diesen Level erreicht, bedarf es noch großer Anstrengungen.

So liegt die Staatsverschuldung beispielsweise bei 103 Prozent. Da mag der gewöhnliche EU-Insasse in Anbetracht dieser Zahl nur den Kopf schütteln. Natürlich hätte das EU-Parlament Kroatien zwingen können, doch wenigstens 120 Prozent Verschuldung hinzukriegen oder zumindest die Zahlen dahingehend zu fälschen. Aber damit wäre das kleine Land zum jetzigen Zeitpunkt überfordert.

Alles, nur keine Streber in der EU!

Leichte Skepsis über die EU-Tauglichkeit der Kroaten war auch der Tatsache geschuldet, dass das Land sehr schwer Interessenten für seine Anleihen findet. Üblich für EU-Aspiranten ist normalerweise, dass sich sämtliche Investoren schon länger mit Grausen von den Staatspapieren abwenden. Will Kroatien ernst genommen werden in der EU, müssen in den nächsten Monaten auch die noch verbliebenen Käufer verprellt werden. Einige Ökonomen haben schon empfohlen, Kroatien möge sich alsbald als Bürgen für Griechenland präsentieren, um sich in der Wertegemeinschaft Respekt zu verschaffen.

In einem entscheidenden Punkt jedoch ist Kroatien voll auf Augenhöhe mit altehrwürdigen EU-Routiniers: Etliche ehemalige Regierungsmitglieder sind der Korruption angeklagt. Mit ein bisschen gutem Willen landen bis zur Aufnahme 2013 auch ein paar aktuelle Regierungsmitglieder auf der Bank. Es wäre auch atmosphärisch schwierig, wenn in allen EU-Staaten die Bürger ihren Regierungen nur Wut und Fassungslosigkeit entgegenbringen, während sich in Kroatien das Volk ehrlich vertreten sieht. Und nichts kann die EU im Moment weniger brauchen als Neuankömmlinge, die sich als Streber aufspielen.

Ein Magendruchbruch ist auch ein Durchbruch

Gerade deshalb versucht Merkel schon länger, einerseits Reformen anzustoßen, anderseits aber zu demonstrieren: Deutschland ist auch nicht besser als die anderen. Großes Kopfzerbrechen bereiten ihr und ihrem Finanzminister die gigantischen Steuereinnahmen. Natürlich könnten Schulden abgebaut werden damit. Aber welch verheerendes Signal würde man damit an die restliche EU-Welt aussenden? Darum verdient Schäuble grenzenlose Bewunderung, wie er trotz dieser ungünstigen Umstände eine saubere Neuverschuldung hinzaubert. Niemand will sich vorstellen, welches Erdbeben an den Finanzmärkten ausgelöst würde, wenn die deutsche Staatsverschuldung unter die psychologisch wichtige Zwei-Billionen-Grenze gerutscht wäre. Nur deshalb hat die Bundesregierung jetzt schon angekündigt, im nächsten Jahr an einer weiteren soliden Neuverschuldung festzuhalten, um Irritationen auf den Finanzmärkten zu vermeiden.

Der EU-Gipfel dieser Woche ist der entscheidende Durchbruch. Das betont Merkel immer und immer wieder. Wie auch nach den vielen Gipfeln der vergangenen Monate. Und immer und immer wieder kam Tage, wenn nicht gar Stunden später die Einsicht, dass ein Durchbruch nicht immer gesund sein muss. Wer mal einen Magendurchbruch hatte, mag dies bestätigen. So empfanden es zunächst auch viele Beobachter des Gipfels als sehr verstörend, wie konsequent an der Einigkeit gearbeitet wurde.

Camerons Stinkefinger

Fast wie in Trance. Jetzt ist von einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik die Rede. Aber weil die EU eben doch die EU ist und kein funktionierender Apparat, sollen die Details erst im März geklärt werden. Über diese Nachricht freuen sich natürlich insbesondere die Italiener, weil sie bis dahin noch etliche Milliarden neu finanzieren müssen. Durch die großzügige Zeitplanung der EU muss Italien nun keinesfalls befürchten, allzu niedrige Zinsen für die neuen Anleihen berappen zu dürfen.

Eigentlich wäre überall eitel Sonnenschein, würden sich die Engländer nicht wie die Gallier zu Cäsars Zeiten aufführen. Die Briten torpedieren einfach alles, was Deutschland will. Irgendwie haben sie wohl das nicht gegebene Tor gegen Deutschland immer noch nicht überwunden. Dazu kommt das Aus von Manchester City und Manchester United in der Champions League in dieser Woche. Wieso sich die Engländer da noch für Europa erwärmen sollen, ist rational nicht zu begründen. Mit dieser Schmollhaltung steht Englands Premier Cameron im Moment zwar ein bisschen doof da. Aber spätestens bei der nächsten Rekordzinsenrunde für europäische Anleihen kann Cameron wieder guten Mutes den Stinkefinger auspacken. Und so bleibt die EU das, was es schon immer war: ein Vorhaben, aber keine Lösung. Wenn das in einer sich immer schneller verändernden Welt kein gutes Zeichen ist, dann kommt eben der nächste Gipfel.

Django Asül mit dem ultimativen Jahresrückblick live am 13. Dezember in Mannheim/Capitol, 15. Dezember in Frankfurt/Saalbau Bornheim, 30. Dezember in Bamberg/Hegelsaal.