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G20-Krawalle: Gefährdungslage unterschätzt? Hamburger Polizei fordert bundesweit Verstärkung an

Am ersten G20-Tag ist die Lage in Hamburg unübersichtlich und unberechenbar. Demos formieren sich an mehreren Punkten der Stadt, mal friedlich, mal gewaltbereit. Die Polizei ruft bundesweit um Verstärkung. Intern spreche man von einer "unterschätzten Gefährdungslage", berichten Medien.

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Der G20-Gipfel hat aus Hamburg eine fremde Stadt gemacht. Ununterbrochen kreisen Hubschrauber über der Hansestadt, die Straßen sind menschenleer, die Plätze wie leergefegt. Bewohner sprechen von einer gespenstischen Stimmung. "Das passt einfach nicht hierher", sagen sie. 

Die Krawalle am Donnerstagabend waren heftig, am Freitagmorgen setzten sie sich fort. Demonstranten warfen Farb- und Rauchbomben, zündeten Autos an, schlugen Fensterscheiben ein. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, immer und immer wieder, zerrte Protestler weg, nahm Demonstranten fest und in Gewahrsam. Eine genaue Bilanz der ersten G20-Ausschreitungen ist derzeit schwierig. Sie dauern immer noch an.

Schon vor dem Gipfel stand fest: Für die Hamburger Polizei werden diese Tage Anfang Juli zum bisher größten Einsatz ihrer Geschichte. Medien hatten von 20.000 Beamten aus ganz Deutschland berichtet, die unter das Kommando des Leitenden Polizeidirektors Hartmut Dudde gestellt werden sollten. "Wir sind so gut vorbereitet wie noch nie", wurde Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zitiert. Doch das reichte offenbar nicht.


Polizei bittet bundesweit um Verstärkung

Am Freitagvormittag bemühte sich die Hamburger Polizei um Verstärkung aus anderen Bundesländern. Laut Informationen des "Spiegel" hat die Polizei um 8.47 Uhr ein Blitzfernschreiben abgesetzt und darin dringend um "alle verfügbaren Unterstützungskräfte" gebeten, um die Lage zu bewältigen. In der Hansestadt komme es zu einer "Vielzahl an Straftaten und Gefahren für Leib und Leben".

Laut Informationen von "Welt" ist in Polizeikreisen davon die Rede, dass man die Situation rund um den G20-Gipfel unterschätzt hat. Beamte, die bis vor Kurzem im Einsatz standen und schlafen müssten, seien wieder in den Dienst geholt worden. Baden-Württemberg sende 200 weitere Polizisten, ebenso Mecklenburg-Vorpommern. Auch Berlin schicke "Hundertschaften".

Leuchtrakete verfehlt Polizeihubschrauber nur knapp

Am Donnerstag und Freitag waren nicht nur die Ausschreitungen in Hamburg massiv, sondern auch die Angriffe auf die Sicherheitskräfte. Am Freitagvormittag berichtete die Polizei Hamburg in einer Presseaussendung von einer Leuchtrakete, die in Altona, einem Stadtteil im Westen Hamburgs, abgeschossen worden sei und einen Polizeihubschrauber nur knapp verfehlt habe. Eine Gruppe Demonstranten war kurz vor 8 Uhr durch Altona gezogen und hatte Fahrzeuge und Mülleimer in Brand gesteckt, Scheiben eingeworfen. Bereits am Donnerstag hatten Unbekannte Polizeihubschrauber mit Lasern geblendet.


In der Nähe des Bahnhofs in Altona, teilte die Polizei mit, seien am Freitagmorgen zudem zwei Funkstreifenwagen der Bundespolizei angegriffen worden: Die Wagen wurden beschmiert, auch hier wurden Scheiben eingeworfen. Zwei Beamten saßen laut Polizeiangaben während des Angriffs im Wagen. Auf einen nicht besetzten Streifenwagen sei ein Molotowcocktail geworfen worden. Dieser entzündete sich offenbar nicht.


Medien berichten am Freitagvormittag von insgesamt 130 verletzten Polizisten, zwölf von ihnen seien nicht mehr dienstfähig. Laut "Welt" hat einer von ihnen einen Böller in den Kragen bekommen, seine Netzhaut ist verbrannt. Zwei weiteren Polizisten seien die Holster mit vollen Magazinen abgenommen worden. Insgesamt wurden bisher offenbar knapp 40 Personen verhaftet. Über die Gesamtzahl der Verletzten ist derzeit nichts bekannt.

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pg